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geschlechter gerechte sprache genderstern

Wenn der Chef das Reden vorschreibt – Anekdoten eines wilhelminischen BR

„Sitzen drei Chemiker in einer Bar. Einer davon ist schwanger.“ – Diesen Witz erzähle ich wahnsinnig gerne, um zu verdeutlichen, wie Sprache unser Denken bestimmt und dass „mit gemeint“ einfach nicht funktioniert. Jetzt hat der scheidende Intendant des BR in seinem Haus geschlechtergerechte Sprache verboten. – Ein Einblick in Top-Down Befehle par excellence.

Heute tagt der Rundfunkrat des BR – Bayerischer Rundfunk. Der Rat kontrolliert den Sender. Als Rundfunkrats-Mitglied denke ich, dass diesmal der Umgang mit dem Gendersternchen mit auf die Tagesordnung muss. Von oben zu bevormunden und freien Sprachgebrauch zu verbieten – das geht gar nicht, finden mein Rundfunkrats-Kollege Dr. Martin Runge und ich.

50% der Menschheit sind Frauen. Darüber hinaus gibt es Menschen, die sich nicht in das binärgeschlechtliche Schema männlich ♂ / ♀ weiblich hineinpressen lassen. Es gibt in der BRD den Geschlechtseintrag „divers“ und auch in Bayern dürfen diese Menschen so sein, wie sie sind.

Deutsche Sprache ist reich an geschlechtergerechten Formulierungen

Unsere wunderbare deutsche Sprache hat vielfältige Möglichkeiten, dies auszudrücken: die Polizei war da, Kameraleute haben gefilmt, Lehrkräfte oder Studierende haben protestiert – nur einige Möglichkeiten gendergerechter Sprache. Generisches Maskulin geht für mich leider gar nicht. „Sitzen drei Chemiker in einer Bar. Einer davon ist schwanger.“ – dieser Witz zeigt, dass „mit gemeint“ eben nicht geht. Noch nie ging.

Der sogenannte „Genderstern“ wie in Polizist*innen ist eine moderne Form der Nennung aller Geschlechter. Dass die Nutzung des Gendersterns in Wort und Schrift von oben herab (!) beim BR allen außer PULS , News-WG und bei LGTBIQ*-Angeboten strikt verboten wurde, ist eine vor-vorgestrige Einmischung in die freie Meinungsäußerung. Alle Menschen, insbesondere Kreative in Redaktionen und Studios, sollten so formulieren dürfen, wie sie das wünschen. Ein zeitgemäßer Umgang mit Sprache, ohne einen derartigen Maulkorb, würde auch dem BR mehr als nur gut zu Gesicht stehen.

Hier geht’s zur Diskussion zum Thema Geschlechtergerechte Sprache und Gender-Stern unter dem Facebook-Post.
Hier geht’s zu geschicktgendern.de – der online Plattform für schöne Sprache, die alle einschließt.
Bericht auf queer.de über unsere Grüne Reaktion auf das Sprach-Verbot.
Transkript des Radio-Interviews, in dem sich die BR-Boy-Group (viele Chefs- und eine Chefin-Etage) zu erklären versucht.