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Was Öffentlichkeit zusammenhält.
lat. medius, -a, -um: in der Mitte befindlich

Medien sind für mich Raum für Information, Debatte und kulturelle Perspektiven- und Meinungsvielfalt. Dass dabei der lateinische Wortursprung der “Mitte”, des “Zentrums” auch Bedeutungen wie “Öffentlichkeit” und “Gemeinwohl” einschloss, ist für mich Auftrag für unser Hier und Heute.

Ich bin medienpolitische Sprecherin meiner Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Als solche arbeite ich politisch zu und mit Publikum (Publika!), Presse, Hörfunk, Fernsehen und allen “Neuen Medien”, gleich welcher Art.

Ein Teil meiner Arbeit ist ehrenamtliche Arbeit in Gremien. Als Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks beschäftigt mich der öffentlich-rechtliche Auftrag ebenso wie die Frage, wie sich unser Duales Rundfunksystem mit Privaten und Öffentlich-Rechtlichen insgesamt aufstellt. Zwischen journalistischer Qualität, wirtschaftlichem Druck und digitalem Wandel geht es nicht zuletzt um Verantwortung für unsere Demokratie und zukunftsfähiges Bestehen in einem globalisierten Medienmarkt.

Öffentlich-rechtliche, private und gemeinwohlorientierte, bundesweite, regionale und lokale Medienangebote erfüllen unterschiedliche, aber gleich wichtige Funktionen. Meinungsvielfalt entsteht nicht von selbst, sie braucht verlässliche Strukturen. Unabhängige Redaktionen, transparente Leitplanken, klare Compliance-Regelungen, wirksame EU-Gesetzgebung, Level Playing Field global agierender Großkonzerne im Zusammenspiel mit kleinen und mittleren Anbieterinnen und Anbietern von hier sowie eine Nutzung der Chancen, aber auch Einhegen der Gefahren von KI sind das A und O für gelingende Medienvielfalt.

Digitalisierung verändert Arbeits- und Produktionsbedingungen, Verbreitung und Geschäftsmodelle. Journalismus steht zunehmend im Wettbewerb mit Self-Publishing und im Kreuzfeuer gezielt gesetzter Desinformation. Sichtbarkeit wird durch Algorithmen und Gatekeeper gesteuert. “VLOP”s und VLOSE”s  – Very Large Online Platforms und Very Large Search Engines – bauen ihre eigenen Autoradios und Smart-TVs. “Das Erste” wird leicht “das 37.”, die ProSiebenSat.1 Media AG verdient mit flaconi.de oder parship.de mehr als mit Medienangeboten zur Primetime. Mediabudgets und Werbegelder sind abgewandert in Richtung China oder USA. Lokaljournalismus kämpft um Finanzierung, Fachkräfte und Publikum, dem gutes Angebot auch gutes Geld wert ist.

Klar bleibt: Wer Inhalte schafft, muss davon leben können – ob Firma oder freischaffend und alles dazwischen. Qualität braucht immer Zeit, Ressourcen und faire Vergütung.

Für “Neue Medien” – die Googles und Metas dieser Welt – gelten momentan andere Spielregeln als für “klassische Medien”, die strengstens reguliert sind. Ein “Level Playing Field” gibt es nicht. Auch Schutz vor Wildwest-Methoden, mit denen KI-Firmen ohne zu zahlen oder auch nur zu fragen, Texte, Bilder, Töne und Audiovisuelles abgreifen, ist eine dringende politische Herausforderung. Eine Digitalabgabe kann helfen, jene, die bei uns Geld verdienen, aber sich hier noch nicht solidarisch an unserer Medien-Infrastruktur beteiligen, zu einem Solidarbeitrag zu bewegen.

Zur guter Medienpolitik gehören für mich last not least auch Fragen von Zugang und Bildung. Medienkompetenz ist entscheidend für alle Generationen. Barrierefreiheit – auch für Menschen ohne Muttersprache Deutsch, auch für ältere Personen, auch für Menschen mit verschiedenem Bildungshintergrund – bestimmt ebenso wie soziale Offenheit, wer gehört wird und wessen Stimme zu hören ist. Meinungs- und Perspektivenvielfalt braucht vielfältige Stimmen, in den Redaktionen wie auch vor Kamera und Mikrofon.

Wenn demokratische Öffentlichkeit lebendig bleiben soll, braucht sie starke Medien. Starke Medien brauchen Unabhängigkeit und Zukunftsperspektive. Fakt ist: Medienpolitik ist Demokratiepolitik.