
Seit 2019 bin ich Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks. Ich setze mich für einen unabhängigen, vielfältigen und transparenten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein – denn Demokratie braucht Medien, die Vertrauen verdienen und Gremien, die alle Stimmen wahrnehmbar machen.
Der Bayerische Rundfunk ist weit mehr als Regionalprogramm. Als Teil der ARD betreibt er internationale Studios und zählt neben WDR, NDR und SWR zu den größten Sendern in Deutschland. 2024 erzielte der BR einen Umsatz von von 1,205 Milliarden Euro1 und beschäftigte über 3000 feste Mitarbeitende sowie zahlreiche Freie.2
Der BR erreicht viele Menschen – und das ist gerade in Zeiten von Desinformation und Polarisierung wichtig. Öffentlich-rechtlichen Medien vertrauen laut Studien deutlich mehr Menschen als der aktuellen Bundesregierung3, beim Vertrauen in Medien liegen ARD, BR&Co an der Spitze4. Dieses Vertrauen ist zentral für unsere Demokratie.
Was ist dieser Rundfunkrat?
Ein Rundfunkrat ist ein externes Aufsichtsgremium der Landesrundfunkanstalten wie BR, WDR oder MDR. Jedes Bundesland regelt im eigenen Rundfunkgesetz, wie der jeweilige Rundfunkrat zusammengesetzt ist. Grundprinzip: Er soll die Vielfalt der Gesellschaft abbilden.
Was macht der Rundfunkrat?
Auch das ist in Gesetzen festgelegt: Der BR-Rundfunkrat überwacht, ob der BR seinen gesetzlich festgelegten Auftrag erfüllt – “Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung. (…) von demokratischer Gesinnung, von kulturellem Verantwortungsbewusstsein, von Menschlichkeit und Objektivität getragen (…) und der Eigenart Bayerns gerecht” werdend . Rundfunkrats-Aufgaben umfassen unter anderem:
- Beratung bei Programmbeschwerden
- Wahl der Intendanz und der Führungsebenen des BR
- Freigabe des Wirtschaftsplans des BR
Wie wird man Mitglied?
Die Zusammensetzung ist im Bayerischen Rundfunkgesetz geregelt. Per Gesetz festgelegte, gesellschaftlich relevante Gruppen wie Gewerkschaften, Kirchen, Sport- oder Familienverbände entsenden Mitglieder. Das Bundesverfassungsgericht hat 2013 Parität eingefordert. In der Praxis wird dies in Bayern häufig umgangen, da laut Gesetz eine simple schriftliche Begründung genügt, um Frauen nicht zu entsenden.
70 % der Mitglieder müssen laut Gesetz aus der „staatsfernen“ Zivilgesellschaft kommen, höchstens 30 % dürfen „staatsnah“ sein, also z. B. aus Parlamenten. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, maximal drei Amtsperioden sind möglich.
Wer darf rein – und wer fehlt?
Der BR-Rundfunkrat besteht aus 50 Mitgliedern, entsandt durch Institutionen wie den Landtag oder Familienverbände. Wir Grüne finden, die Vielfalt der bayerischen Gesellschaft bildet sich kaum ab:
- Frauen: 32 %
- schwarze Menschen: 2 %
- Menschen mit Behinderung: 2 %
- migrantische Perspektiven: 4 %
- queere Organisationen: 0%
- nationale Minderheit der Sinti und Roma: 0 %
- Kinder und Jugend: 2%
Das widerspricht dem sogenannten “ZDF-Urteil” des Bundesverfassungsgerichts von 2013, das eine vielfältige, repräsentative Besetzung fordert. Zwar sieht das Gesetz in Bayern vor, dass Männer und Frauen abwechselnd entsandt werden „sollen“ – doch Ausnahmen sind leicht möglich. Und nach dieser Logik folgt auf jede Frau ein Mann. So wird 50/50 dauerhaft verhindert.
Auch in Bayern gilt: Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung!
Gleich. Anders. Gemeinsam.
Einer meiner Schwerpunkte im Rundfunkrat ist Gleichstellung und Vereinbarkeit. Gleichstellung ist Verfassungsauftrag. Ich setze mich dafür ein, dass im BR Frauen und Männer gleiche Chancen haben – in Teams, Führungspositionen, Inhalten und der Programmstrategie. Auch bei der Kontrolle sollten Frauen die Hälfte der Perspektiven abbilden.
Vielfalt macht Programme besser und Entscheidungen klüger. Parität – also 50/50 – bedeutet für mich nicht nur Zahlen, sondern ein echtes Miteinander und eine Kultur der Offenheit.
Starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Während soziale Medien für junge Menschen prägend sind, liegt das Durchschnittsalter im Kontrollgremium des BR bei fast 60 Jahren. Die Perspektiven junger Menschen, migrantischer Gruppen oder Menschen mit Behinderungen sind zu wenig vertreten.
Um den Rundfunkrat zukunftsfähig zu machen, braucht es Reformen: mehr Vielfalt, mehr Beteiligung unterschiedlicher Gruppen, mehr Transparenz. Ausschüsse sollen öffentlich tagen, sofern keine vertraulichen Themen anstehen. Programmbeschreibungen müssen nachvollziehbar sein, Diskussionen offen geführt werden. Der Rundfunkrat soll als Vertretung der Gesellschaft für uns alle den Rundfunk voranbringen und konstruktiv-kritisch in die Zukunft begleiten.
Ältestenrat des Rundfunkrates
Der Ältestenrat besteht aus den Vorsitzenden und Stellvertretenden Vorsitzenden der Ausschüsse und des Rundfunkrats, der gewählten Schriftführung des Rundfunkrats, sowie der Vertretung des ARD-Programmbeirats aus dem Rundfunkrat. Der Ältestenrat bereitet Sitzungen vor, schlägt Tagesordnungen vor und ordnet Themen ein. Seine Zusammensetzung steht in der Geschäftsordnung – und kann vom Gremium selbst geändert werden. Er ist damit neben dem Vorsitzenden und seiner Stellvertreterin eine zentrale Schaltstelle.
Das haben wir schon erreicht
Wir Grüne haben im BR-Rundfunkrat wichtige Schritte angestoßen. Mein offener Brief „Die besten Köpfe für den BR“, den weit mehr als die Hälfte aller Gremiumsmitglieder unterzeichnet hat, führte dazu, dass Vakanzen in Führungspositionen bis zur dritten Ebene erstmals öffentlich bekanntgegeben werden. Die Gleichstellungsbeauftragte wird nun eingebunden – eine Selbstverständlichkeit, die vorher nicht galt.
Auch der öffentliche Onlinestream der Gremiums-Vollsitzungen geht auf unsere grüne Initiative zurück. Wer informiert werden möchte über bevorstehende Sitzungen, kann mir gerne eine Mail schicken.
Außerdem haben wir die ökologische Nachhaltigkeit im BR vorangebracht: Green Shooting ist nun verbindlich, und Strom wird vom BR selbst produziert.
Viele kleine Reformen verändern Strukturen nachhaltig – und machen den BR moderner, transparenter und gerechter.
Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der die Gesellschaft widerspiegelt: vielfältig, modern, unabhängig. Ein Rundfunkrat, der echte, konstruktive Kontrolle ausübt. Und ein BR, der für alle da ist – und der Vertrauen verdient.
1https://www.br.de/unternehmen/inhalt/organisation/br-zahlen-finanzen-v2-100.html, zuletzt abgerufen am 10.12.2025
2https://www.br.de/unternehmen/inhalt/organisation/br-zahlen-mitarbeiter-v2-100.html zuletzt abgerufen am 10.12.2025
3aus „Zukunftsindex Deutschland“ des Schweizer Instituts „Media Tenor International“ vom August 2025: https://www.welt.de/politik/deutschland/article68c30176b57f8e2dfedfcf12/misstrauen-in-institutionen-nicht-einmal-jeder-dritte-vertraut-dem-oerr-weniger-als-die-haelfte-der-polizei.html, zuletzt abgerufen am 10.12.2025
4Demokratiereport Bayern 2025: https://www.bayern.landtag.de/aktuelles/demokratiereport-bayern-2025/, zuletzt abgerufen am 10.12.2025
