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Tagesschau und Bundestag – zwei Exkurse zu geschlechtergerechter Sprache

7. März 2021

Kennt Ihr den Witz? Sitzen drei Chemiker an einer Bar, einer davon ist schwanger. – Dieser Witz zeigt das Problem des generischen Maskulins auf. Also einer Sprache, die alle Geschlechter mit der maskulinen Bezeichnung miterfassen will. – Wie Bundestag und Tagesschau mit dem Problem umgehen, lest Ihr hier.

Ich habe im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks laut protestiert, als dort von ganz oben aus der Etage der Führungskräfte (in der wilhelminischen Ära aka „Boy-Group“) mit dem Verbot des sogenannten Gendersterns ein einfacher Weg versperrt wurde, Sprache inklusiv für alle zu formulieren.

Vorbildfunktion ist uns egal – sagen die Chefs.

Nein, man wolle kein Vorbild sein, so der männliche Intendant und der männliche Direktor noch im Dezember. Frauen einfach unsichtbar lassen. Ist das eine Art? Ist das höflich?

Es würde ja schon helfen, wenn Frauen als Frauen erkennbar wären. – In dem Bild hier aus der Tagesschau-App sieht man schön das Problem:

Na, warst Du auch irritiert? Wer ist die Frau auf dem Foto, wenn „die Biologen“ etwas Tolles entdeckt haben? Die Sekretärin??

Ist die Person im Bild die Sekretärin? Und wo ist der andere Biologe?

Bei „die Biologen“ denkt man – etliche Studien zeigen das – an?! – Richtig: Männer! „Die Biologin und ihr Kollege“ würde obendrein Sprache bereichern. Findest Du nicht auch?

Nicht vorkommen und nicht sichtbar sein bedeutet, keine Vorbildfunktion zu haben. Wir können es uns aber als Gesellschaft nicht länger leisten, auf junge Talente zu verzichten, nur weil sie weiblich sind und ihnen bestimmte Perspektiven wegtrainiert werden, kaum dass sie lesen können.

Ich erwarte von einer Tagesschau, aus der das Bild stammt, hier endlich mehr Engagement!

Etwas mehr bemüht sich der Deutsche Bundestag. Er gibt insbesondere auch Menschen mit Geschlechtseintrag divers und jenen, die sich nonbinär verorten u.v.a. mehr, eine Stimme. Gar nicht schwer:

Mit „*“ oder „:“ versuchen wir im Deutschen Menschen, die weder weiblich noch männlich sind, auch in geschriebener Sprache ebenso wie Frauen und Männer zu berücksichtigen. Beim Sprechen macht man eine kleine Pause, die man glottalen Plosiv oder Glottisschlag nennt. Bundestag macht’s, Duden akzeptiert’s – wie steht’s mit Dir Bayerischer Landtag?

Wir Grüne werden weiter dafür kämpfen, dass alle Menschen unserer Gesellschaft sichtbar und hörbar sind.

Diskussion zum Tagesschau-Bild unter meinem Facebook-Post zum funk „Die da oben“ Bericht.
Debatte zum Bundestags-Gendern hier unter meinem Facebook-Post.