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NSU: Wir brauchen einen 2. Untersuchungsausschuss! Ein Gastbeitrag von Cemal Bozoğlu.

Jeden Tag radle ich an dem Ort vorbei, an dem Habil Kılıç in seinem Laden ermordet wurde. Den Laden gibt es noch. Auch die Polizeistation, in Sichtweite. Nur wenige Schritte die Bad-Schachener-Straße runter. Jeden Sommer im August kommen Menschen an der Gedenktafel zusammen und andere wundern sich, was das Grüppchen da tut. Die Gerichte haben ihre Urteile gefällt. Aber wie urteilen wir als Gesellschaft? Mein Landtags-Kollege Cemal Bozoğlu zu seinem Kampf für einen 2. NSU Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag.

Grüne und SPD ergreifen Initiative für einen zweiten NSU-Untersuchungsausschuss! – Zehn Jahre nach Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds am 4. November 2011 sind noch zahlreiche Fragen ungeklärt. 

Die Grüne Fraktion Bayern und die BayernSPD Landtagsfraktion wollen die zahlreichen ungeklärten Fragen, die sich immer noch um den NSU-Komplex ranken, aufklären und ergreifen die Initiative für einen zweiten Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sollen die Fraktionen über die genauen Untersuchungsgegenstände des Ausschusses beraten und noch 2021 einen Fragenkatalog erarbeiten. Die SPD-Landtagsfraktion muss allerdings formal noch in ihrer nächsten Sitzung über das Vorgehen entscheiden. Für einen möglichst breiten Konsens werde ich, Cemal Bozoğlu, gemeinsam mit Florian Ritter für unsere Fraktionen auch mit den anderen demokratischen Fraktionen des Landtags das Gespräch suchen. 

Kein Schlussstrich! Zu viele Fragen zum NSU und dem Unterstützungsnetzwerk sind noch offen.

Mit dem Tod der beiden Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos endete vor genau zehn Jahren, am 4. November 2011, die mörderische Existenz des Nationalsozialistischen Untergrunds. 13 Jahre lang konnte eine rechtsextreme Terrorgruppe unentdeckt und ungestört zehn Menschen ermorden, drei Sprengstoffanschläge verüben und über ein Dutzend Raubüberfälle begehen. Allein in Bayern hat der NSU fünf Menschen ermordet: Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Habil Kilic, Ismail Yasar und Theodorus Boulgarides. 

Der Bombenanschlag auf die Gaststätte ‚Sonnenschein‘ im Juni 1999 in Nürnberg markierte den Anfang der Anschlagserie. Bayern ist nicht nur der wichtigste Tatort des NSU, sondern auch der zentrale Ort der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen der ‚BAO Bosporus‘, die sehr einseitig in Richtung ‚Organisierte Kriminalität‘ ermittelt hat. Auch zehn Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU sind die berechtigen Fragen der Angehörigen der Opfer nach den Hintergründen der Taten, dem Unterstützernetzwerk des NSU in Bayern und der Auswahl der Opfer immer noch nicht beantwortet. In einer Petition an den Bayerischen Landtag fordern die Betroffenen gemeinsam mit über 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, Opferberatungsstellen, Anwälte und zivilgesellschaftlichen Initiativen die Einrichtung eines zweiten NSU-Untersuchungsausschusses. 

Ich will schließen mit zwei Zitaten, die unsere Motivation und die der BayernSPD Landtagsfraktion gut zeigen:

„Vor zehn Jahren hat die Bundesregierung den Angehörigen der Opfer des NSU die vollständige Aufklärung der Morde des NSU versprochen. Von der Einlösung dieses Versprechens sind wir immer noch weit entfernt. Wir wissen immer noch nicht, warum Bayern mit fünf Morden und einem Sprengstoffanschlag das Haupttatland des NSU war, wie die Opfer ausgewählt und ausgespäht wurden, welche Neonazikreise in Bayern den NSU unterstützt haben und warum die Sicherheitsbehörden so lange in die falsche Richtung ermittelt haben. Wir sind es den Opfern des NSU schuldig, die Aufklärung der Tathintergründe und Unterstützernetzwerke weiter voranzutreiben.“ 

Cemal Bozoğlu, MdL – Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag

„Wir sind es nicht nur der Öffentlichkeit schuldig, sondern insbesondere den Hinterbliebenen der Opfer, die offenen Fragen aus dem NSU-Komplex zu klären. Durch die beispiellose Mordserie ist unfassbares Leid geschehen, das durch die mangelnde Aufklärung noch verstärkt wird. Der Prozess gegen den Kern des NSU hat zwar ein klares Urteil über die Schuld der Angeklagten gesprochen, musste aber viele Fragen unbeantwortet lassen. Mit einem neuen Untersuchungsausschuss wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die nach dem ersten Untersuchungsausschuss und dem Prozess noch offenen Sachverhalte zu klären. Wir dürfen nichts unversucht lassen!“ 

Florian Ritter, MdL; Sprecher im Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, BayernSPD Landtagsfraktion

Lange Nacht der Demokratie

Demokratien weltweit geraten zunehmend unter Druck. Erstmals seit über zwei Jahrzehnten übertrifft die Zahl der Autokratien die der Demokratien. Die Lange Nacht der Demokratie bietet die Möglichkeit zum Austausch und zur Reflexion über die Bedeutung von Mitbestimmung, Gewaltenteilung und Verfassungsmäßigkeit.

Am Samstag, den 2. Oktober 2021 fand in München sowie in 30 weiteren Kommunen in ganz Bayern die Lange Nacht der Demokratie statt. Die Besucher*innen konnten sich über ein buntes Programm aus Workshops, Vorträgen und Gesprächen freuen, welche über den öffentlichen Raum des Münchener Werksviertel-Mitte verteilt aufzufinden waren.

Gemeinsam mit Wolfgang Heubisch, Ruth Waldmann und Josef Schmid durfte ich in einer Gondeln des Demokratierads unser Parlament repräsentieren und dort viele interessante und inspirierende Gespräche führen. Ermöglicht wurde dies durch den durch Crowd-Funding-Wettbewerb Demokratierad.

Zudem war es eine Freude, den zahlreich erschienenen Abgeordneten, Künstler*innen und politisch Aktiven bei ihren Vorträgen zu lauschen und einen Einblick in ihre Vision einer lebendigen und weltoffenen Demokratie zu erhalten.

Wir bedanken uns bei allen Erschienenen für ihr Interesse und ihren Beitrag zum Erhalt unserer schützenswerten freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Demokratierad riesenrad Lange Nacht der Demokratie Bayerischer Landtag Sanne Kurz Wolfgang heubisch Ruth Waldmann Josef Schmid

Podiumsdiskussion: menschenwürdiges Existenzminimum – JETZT!

Über die (freiwlligen) Abschlussarbeiten unserer Praktis freue ich mich immer besonders. So unterschiedlich die inhaltlichen Schwerpunkte und Formen jedes Mal sind, so zeigt sich hier , was die jungen Menschen umtreibt, was sie von dem Einblick in meinen Arbeitsalltag mitnehmen und welche Highlights es dann sind, über die sie schreiben. Hier der Post unserer Schülerpraktikantin Nora.

Im Rahmen meines Praktikums durfte ich Sanne zwei Wochen lang begleiten. Von Plenarsitzungen im Landtag über Treffen mit dem Ortsverbänden bis hin zu persönlichen Gesprächen mit Bürger*innen war alles dabei.

So habe ich sie auch zu einer Podiumsdiskussion von ver.di begleitet. Das Thema war der Vorschlag einer Grundsicherung. Im Kontext der Veranstaltung ging es dabei vor allem über freischaffende Künstler*innen, Kulturschaffende, Selbstständige und Geringverdiener*innen. Hierzu kamen Vertreter*innen der SPD (Anne Hübner), FDP (Dr. Michael Ruoff), LINKE (Simone Barrientos) und Sanne Kurz für Bündnis 90/Die Grünen zusammen, um von ihrer Arbeit auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene zu erzählen und sich den Fragen des Publikums zu stellen.

ver.di ist mit 30 000 Mitgliedern der größte Vertreter für Selbstständige in Deutschland. Traditionell stammen sehr viele von ihnen aus dem Kulturbereich. Diese Gruppe hat Corona schwer getroffen – geschlossene Theater und Bühnen, wenn überhaupt ein nur sehr kleines Publikum und eine ungewisse Zukunft manchen den Betroffenen schwer zu schaffen. Es stellt sich die Frage: Wie kann man am besten helfen und vor allem auch neue Rahmenbedingungen schaffen, um Kunst & Kultur nachhaltig zu unterstützen?

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“

Grundgesetz der BRD, Artikel 5 Absatz 3

Für Sanne bedeutet das, dass nicht nur das Werk, sondern auch das Wirken von Künstler*innen frei sein muss. Doch wie frei kann man wirklich sein, wenn man sich bei jedem neuen Projekt Sorgen macht, ob das dann auch die Miete am Monatsende bezahlt? Wenn man seine Kunst so verändern muss, damit auch sicher jemand dafür zahlt? Wenn sich die Kunst nur noch dem Kommerz unterordnet, dann hat das nichts mehr mit Freiheit zu tun. Außerdem braucht die Kunst Diversität. Diese ist allerdings schwer zu erreichen, wenn es nur um die „Verkaufbarkeit“ eines Werkes geht.

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eine freie Gesellschaft braucht eine freie Kunst

Ginge es nach Sanne, dann müssen wir weg vom Hartz IV als Sozialhilfe und hin zu einem bedingungslosen Existenzgeld. Gerade für Kulturschaffende gibt es absurde Vorschriften, die das ohnehin schon zu wenige Hartz IV noch weiter kürzen. Und auch die Grundrente ist noch keine ausreichende Verbesserung: etwas 75% der Kulturschaffenden werden sie nie bekommen. Viele fürchten sich also zu Recht vor Altersarmut.

Ein Grundeinkommen stellt sicher, dass sich Menschen vollkommen ihrer Kunst widmen können, ohne befürchten zu müssen, in finanzielle Not zu geraten, nur weil ein Monat mal nicht so gut gelaufen ist. Es ermöglicht auch weniger privilegierten Menschen, sich an der Kunst auszuprobieren oder sogar in Vollzeit Kunst und Kultur zu schaffen. Hierdurch erhöht sich die Diversität. Auch können mit einem Existenzgeld alle anderen Bevölkerungsgruppen leichter kulturelle Teilhabe pflegen, in Theater, Kinos und Ausstellungen gehen und somit Kunst & Kultur weiter unterstützen. Kunst machen und Kunst erleben ist hiermit nicht länger ein Privileg.

Eine bürokratiearme Selbstauskunft soll Geld sparen, aber auch den Betroffenen ein Stück Würde zurückgeben. Die Angst, sich „nackig machen zu müssen“, schreckt viele Bedürftige ab, sich Hilfe zu holen und treibt sie so nur noch mehr in die Armut.

„Es gibt keinen Grund zu denken, dass arme Menschen öfter lügen als Menschen mit Geld.“

Auch sonst wird nirgendwo ohne begründeten Verdachtsfall jede Ecke eines Lebens durchforstet, wieso sollte es dann bei der Sozialhilfe so sein? Den Betroffenen zu glauben, ist ein wichtiger Schritt, um ihnen aus der Armut zu helfen. Auch soll es keine Bedarfsgemeinschaften mehr geben. Denn es kann z.B. dazu kommen, dass eine Frau kein Hartz IV bekommt, weil sie mit ihrem Partner zusammenlebt, der ein Einkommen hat. Dies führt viel zu oft zu einer finanziellen Abhängigkeit, die es Frauen schwerer macht, aus etwaigen Missbrauchsbeziehungen zu entkommen.

Vielfalt Debattenkultur Demokratie Medien Netz Sanne Kurz Bayerischer Landtag

Wenn wir in Zukunft in einer lebenswerten Gesellschaft leben möchten, dann brauchen wir ein menschenwürdiges Existenzminimum. Für die Kunst, für Geschlechtergerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiheit. Damit sich niemand zu einem Hungerlohn verkaufen muss, um die Miete zu zahlen. Damit wir frei in unseren Entscheidungen sind. Frei zu entscheiden, ob man in seinem Beruf bleiben oder sich weiterbilden will. Frei zu entscheiden, wann man eine Familie gründet, ohne Angst um das Einkommen zu haben. Frei zu entscheiden, für seine (mentale) Gesundheit eine Pause einzulegen, ohne dann die Miete nicht mehr zahlen zu können.

Frei das eigene Leben gestalten zu können, damit wir eine Gesellschaft formen, in der Zusammenhalt und Wohlstand unser Leben prägen.

Ein Konzerthaus für Bayern

Das neue Konzerthaus für Bayern im Münchner Werksviertel ist schon lange Thema. Es soll lang ersehnte Heimat für das BRSO, die Symphoniker des BR, eines der Welt-Top Symphonie-Orchester werden. Planungsbeginn war 2016, mittlerweile haben sich die Kosten fast verdoppelt auf geschätzte 700 Millionen Euro, der Baubeginn wurde erneut verschoben. Fertigstellung: 2030. Ein zähes Dauerfiasko oder eine echte Chance?

Neues aus dem Haushalts-Ausschuss…

Welchen Stellenwert Kulturpolitik bei der CSU-FW-Regierung hat, sieht man daran, dass aktualisierte Eckdaten zum Konzerthaus keineswegs Überlegungen zu künstlerischer Nutzung, Konzept oder Leitung umfassen, sondern man erst mal ein Bündel Zahlen nimmt und das dem Haushaltsausschuss auf den Tisch klatscht. Ja: klatscht, denn vor der Beratung zum Konzerthaus gab es keine Übersicht, keine Begründung, kein Fitzelchen Papier, mit dem sich Finanz- und Kulturpolitiker*innen aller Fraktionen auf die veränderte Sachlage hätten vorbereiten können.

Sollte man eine Verdopplung der Kosten einfach durchwinken? Oder sich bei der Verteilung von Steuermitteln nicht zumindest mal in Ruhe durchlesen, warum es teurer wird und wie das Ganze gehen soll? Wir Grüne gehen gerne gut vorbereitet an Dinge heran, finden das Konzerthaus sehr wichtig für unser Land, und wollen den Bau gerade auch wegen dieser Bedeutsamkeit konstruktiv-kritisch begleiten. – Damit es am Ende auch gut wird und Preis-Leistung passen!

Ja, wenn die Sache es wert ist, darf es auch etwas kosten! Gerade im Kulturbereich sind Investitionen wahnsinnig wichtig. Denn wenn Staatsministerin Kerstin Schreyer stolz verkündet, es habe noch nie so viel Geld für Bayerische Autobahnen gegeben, wie im Pandemie-Jahr 2020 – „Eine Milliarde Euro für Bayerns Autobahnen“ war die Headline – dann ahnt man leider, wo die Schwerpunkte der CSU-FW-Regierung liegen und wo die Mittel für Kulturbauten landen werden, wenn man von Investitionen Abstand nimmt und das Geld zurück in den Staatshaushalt pumpt…

Wir Grüne wollen, dass es gut wird! Darum haben wir um Unterlagen gebeten und darum, die Entscheidung eine Woche zurück zu stellen, darum haben wir bereits bei Projektbeginn für eine Werkstattbühne und Raum für Kulturvermittlung gekämpft, darum haben meine Kollegin Ursula Sowa und ich haben schon letztes Jahr in einem Brief gefordert, für das Konzerthaus eine BNB-Zertifizierung (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) anzustreben.

Neue Ideen für die Fassade, immer noch wenig Ideen für künstlerisches Konzept und Leitung

Die SZ nannte das Bauvorhaben „Schneewittchensarg mit Klimasorgen“. Vor allem die geplante Glasfassade sehen viele als Klimakiller Nummer 1. Mit einer Fassade aus Glas benötigt man Klimatisierung im ganzen Gebäude. Teile der Außenwände sollen nun in Bildschirmflächen umgewandelt werden, mit dem Argument: Die Pandemie hat uns allen gezeigt, wie wichtig Digitalisierung ist. Digitalisierung ist gleich Bildschirmwand?! – Das zieht so gar nicht, liebe Staatsregierung! Das Ziel des Konzerthauses ist es auch nicht besonders digital zu sein, im Sinne von bespielbaren Fernsehern an der Außenfassade. Ziel ist es erlebbare Kultur zu schaffen, mit guter Akustik und Wechselwirkung zwischen den Musiker*innen und dem Publikum. Ja, Außenprojektion kann sinnvoll sein. Aber wie so oft zeigt sich hier wieder, dass man wild kosten-intensiv im Nebel stochert, wenn man nicht zuerst die künstlerische Leitung und Konzeption klärt. Die Union, mit Baum-Umarmer Söder voran, schreit immer laut nach Klimaschutz und Nachhaltigkeit, wenn’s gerade in die Agenda passt und nicht so weh tut.

Begegnung schaffen

Durch Corona ist uns allen bewusst geworden, wie wichtig der Kulturbetrieb für alle von uns ist. Das Konzerthaus soll Spielstätte des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks und der Hochschule für Musik und Theater werden. Der Bau mit Strahlkraft nach ganz Bayern soll darüber hinaus Möglichkeiten für die freie Kunst- und Musikszene, sowie zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche bieten.

Weiter lesen zum Konzerthaus:

Finanzierung

Unseren Grünen Antrag, bis April 2021 einen konkreten Zeit- und Finanzierungsplan vorzulegen, haben CSU und FW abgelehnt. Konkrete Kostenberechnung seien vermutlich erst in zwei Jahren möglich. Das stimmt mich bedenklich. Bei im Raum stehenden 700 Millionen wäre ein Plan doch besser als nichts, oder? Der Haushaltsausschuss hat für die weiter Finanzierung trotzdem grünes Licht gegeben.

Wir Grüne haben uns enthalten, weil wir vor der Sitzung keinerlei Unterlagen erhielten, die die Kostensteigerung begründeten. Eine Vorbereitung war somit nicht möglich, eine Bewertung der Angemessenheit der Kostensteigerungen in wenigen Minuten im Ausschuss scheint und unseriös, wir hätten – ohne Unterlagen von der Staatsregierung vor den Kopf gestoßen und mit Fakten erst im Ausschuss konfrontiert – gerne vertagt und z.B. eine Woche später entschieden.

Trotzdem ist ein generelles Ja zum Bau nach all dem Hin und Her und den ablehnenden und zögerlichen Andeutungen von Markus Söder und Vorsitzenden der zuständigen Ausschüsse ein wichtiges Signal, auf das wir Grüne lange gewartet haben!

Der Haushaltsausschuss sendet mit seiner Entscheidung ein wichtiges Signal, dass der Erhalt und die Weiterentwicklung der Kultur in München und Bayern weiterhin langfristig eine sehr hohe Priorität hat! (Sir Simon Rattle- Chefdirigent des BRSO)

Konzerthaus München – Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (br-so.de)

Ja, die geplanten 370 Millionen Euro sind schon lange vom Tisch, es heißt nun, die Kosten werden sich nahezu verdoppeln auf rund 700 Millionen Euro, festlegen könne man sich aber noch nicht. Der Bau hat sich auch mehrere Jahre nach hinten verschoben, das Konzerthaus soll erst 2030 fertig gestellt werden. Geplant sind:

  • ein großer Saal mit 1.900 Plätzen,
  • ein kleiner Saal mit 400 Plätzen
  • und ein Multifunktionssaal mit 200 Plätzen

außerdem soll es Bereiche für Musikvermittlung geben, ein Projektlabor für die Hochschule für Musik und Theater und einen Gastronomiebereich für die Gäste.

Was finden wir Grüne wichtig und wie stehen wir zum Konzerthaus?
Hier geht’s zu unserem Positionspapier Konzerthaus für Bayern:

„Die Kunst, aneinander vorbeizureden“ – Gesprächs-Projekt „Zusammengesetzt – Wir müssen reden“ an der Wachter Tischskulptur im KreativQuartier

Kennt Ihr das? Alle reden, aber niemand hört zu? Mit dem „Tisch für ein Kunstgespräch. Die Kunst, aneinander vorbeizureden“ – schuf der Holzbildhauer Rudolf Wachter 1995 eine Tisch-Skulptur für eine Gesprächsreihe zu Fragen der Kunst, die das Thema des Aneinander-Vorbei-Redens aufgreift. Sechs Menschen haben Platz, können sich aber nur versetzt gegenübersitzen. Ein Platz bleibt jeweils frei für das Publikum. Finden wir zueinander?

Die Evangelische Stadtakademie München veranstaltet am Montag, dem 28. Juni 2021 ab 19 Uhr im KreativQuartier in der Schwere-Reiter-Straße 2h gemeinsam mit der DG_Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, der Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising und der Beauftragten für Kunst im Kirchenkreis München Oberbayern, die erste Diskussion der neuen Reihe „Zusammengesetzt: Wir müssen reden“.

Vier Diskussionsrunden zu politischen und gesellschaftlichen Themen sind geplant, allesamt werden an der Rudolf Wachters Tisch-Skulptur stattfinden.

„In Zeiten, in denen ein zuhörender Dialog schwieriger wird, bringen wir diesen Tisch in eine Werkhalle, um an der Gesprächskultur und vier gesellschaftlich vieldiskutierten Themen zu arbeiten. Wir laden dazu Expert*innen ein, um die Kunst zu stärken, nicht aneinander vorbeizureden. Ein Platz bleibt jeweils frei für das Publikum. Die Diskutant*innen versuchen, ihren Diskurs selbst ohne Gesprächsleitung zu führen.“

Aus der Veranstaltungsankündigung

Ich darf gleich bei der Premiere als Expertin am Tisch Platz nehmen und freue mich sehr über die Ehre! Thema unseres Gesprächs wird sein: „Kunst: Nicht systemrelevant, aber…? – Was leistet Kunst und wieviel Kunst leisten wir uns?“ Eine echt superwichtige Frage gerade jetzt, wo die öffentliche Kassen Kahlschlag erfahren und die Kommunen klamm werden, oder? Die

„Im Rahmen der Pandemie wurden für lange Zeit alle Kultureinrichtungen geschlossen. Die Frage, was wir dabei als Gesellschaft verlieren, wurde kaum gestellt. Von den zwischenzeitlichen Lockerungen der Auflagen profitierte die Kulturbranche deutlich weniger als andere Branchen. Dabei ist der Wert der sogenannten Kreativwirtschaft für eine Stadt wie München unbestritten. Neben der ökonomischen Wertschöpfung scheint vor allem die nichtkommerzielle, kulturelle Bedeutung von Kunst für Menschen nicht bedacht worden zu sein. Wie lässt sich dieser manchmal so schwer fassbare Mehrwert kommunizieren? Und was brauchen Künstler*innen, um ihre Funktion für unsere Gesellschaft wahrnehmen zu können?“

Veranstaltungsseite der DG

Neben der Person aus dem Publikum und mir selbst werden am Tisch Platz nehmen:

Schaust Du vorbei? Ich würde mich sehr freuen!

Das ungewöhnliche Konzept der hybriden Quasi-Fish-Bowl mit der physisch durch den Tisch vorgegebenen Sprechweise „ins Nichts“ macht echt Lust auf den Abend, finde ich. Anmeldung per Mail zwingend notwendig (Corona und so…), Teilnahme kostenlos, online den Live-Stream schauen ebenso kostenfrei!

Die Gespräche an der Tisch-Skulptur sind eine Kooperation von:

Anmeldung
Die Gesprächsreihe wird als Hybridveranstaltung angeboten. Ihr könnt Euch für die einzelnen Veranstaltungen unter anmeldung@dg-kunstraum.de anmelden oder die Gespräche digital verfolgen. Informationen dazu findet Ihr ab dem 18.6.21 auf www.dg-kunstraum.de.

Die „Tisch.Skulptur“ von Rudolf Wachter wird anschließend vom 11.7.2021 bis 3.10.2021 in der Münchner Paulskirche gezeigt. Dort befinden sich in der Apsis auch die fünf Holzreliefs „STATIONEN“ des Künstlers. Näheres zum Begleitprogramm vor Ort hier.

Digitale Bayerische Nachhaltigkeitskonferenz – Packen wir es an!

Das Ziel ist klar: Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise muss endlich enkelgerecht werden – lokal und global betrachtet. Doch wie lässt sich das in die Praxis umsetzen? Wo ist bereits heute mehr Nachhaltigkeit möglich und an welchen Stellen ist die Politik gefordert? Um diese und viele weiteren Fragen geht es auf unserer Grünen Nachhaltigkeitskonferenz am 17. und 18. Juni – seid dabei!

Auch mehr als fünf Jahre nach Verabschiedung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDGs) sind noch viele Fragen offen: Wie werden die SDGs für alle greifbar und was bedeuten sie konkret für unseren Alltag? Wie können unsere Städte und Gemeinden nachhaltiger werden? Wie wird nachhaltiges Wirtschaften zur Chance für alle? Wie reduzieren wir Armut und soziale Schieflagen – auch hier, in Bayern? Wie bekämpfen wir sowohl die Klimakrise als auch die wachsende Ungleichheit? Und wie schaffen wir endlich wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter? 

Die Grüne Landtagsfraktion packt diese und weitere Fragen an – zusammen mit Euch! Denn: Echter Wandel kann nur gemeinsam gelingen! Deshalb bringen wir Bürger*innen, Initiativen, Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen mit Landespolitiker*innen zusammen.

Was erwartet Euch?

  • eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung
  • 20 spannende und vielfältige Workshops zu den Themenbereichen nachhaltige Städte und Gemeinden, nachhaltige Wirtschaft, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit sowie Umwelt und Klima – natürlich auch ein Workshop von mir zu Fair Green Culture.
  • eine Nachhaltigkeitsmesse mit über zehn innovativen und nachhaltigen Projekten, Initiativen und Unternehmen
  • eine Abschlussrunde, bei der ich auch dabei sein darf!

Auch der Kunst- und Kulturbereich steht vor der Herausforderung, seinen Beitrag zur sozial-ökologischen Nachhaltigkeit zu leisten. Wie begeistert man Publikum, Kulturschaffende und Politik von ökologischer Nachhaltigkeit im Kulturbereich? Braucht es zunächst faire, soziale Mindeststandards in den Künsten, bevor wir in den ökologischen Deal einsteigen können? Was kann jede*r einzelne tun? Müssten wir nicht gemeinsam einen “Fair Green Cultural Deal”, einen sozial-ökologischen Nachhaltigkeits-Pakt für Kultur, vereinbaren und wenn ja, wie könnte dieser Deal aussehen?

Mein Workshop für Euch beim Nachhaltigkeitskongress

Am Freitag, dem 18. Juni von 11:15 bis 12:30 Uhr diskutiere ich mit der Kunst- und Medienwissenschaftlerin Dr. Ann-Katrin Harfensteller-Rufenach, die u.a. am Lenbachhaus arbeitet und aktuelle Einblicke in das Pilotprojekt „Klimabilanzen in Kulturinstitutionen“ gibt, über einen „Fair Green Cultural Deal“. – Ein Zukunftsworkshop für Eure Ideen!

Alle Infos rund um die Nachhaltigkeitskonferenz gibt’s hier.

„Schule des Sehens“

Warum das Verstehen von Bildern so wichtig ist, zeigt das kostenlose Angebot des DOK.fest München: Unter dem Titel „Schule des Sehens“ bietet DOK.education noch bis Ende Juli Kurzfilme an, die mit oder ohne das mitgelieferte Unterrichtsmaterial im Klassenzimmer, im Distanzunterricht oder hybrid genutzt werden können. Deutschlandweit. Hier steht, wie’s geht!

Visual Literacy, das Lesen, Verstehen und Einordnen von Bildern, ist mir ein Herzensanliegen. Besonders für Schüler*innen ist diese Fähigkeit wahnsinnig wichtig für Ihren weiteren Lebensweg. Mit Fake News und Social Media wird die Fähigkeit, Bilder und ihre Konnotationen zu lesen, immer bedeutsamer. Mir ist klar, gerade geht es darum, überhaupt Schule so normal wie es nur geht am Laufen zu halten. Aber vielleicht ist ja eine Abwechslung aus dem stressigen Pandemiealltag willkommen?

Kompetenzen. Kostenlos. Kurzfilme.

Darum möchte ich allen das kostenlose Angebot „Schule des Sehens“ von DOK.education des DOK.fest München ans Herz legen, das für Schulklassen konzipiert wurde. Pandemiebedingt ist eine deutschlandweite Teilnahme möglich, komplett digital mit Kurzfilm und Unterrichtsmaterial oder auch nur mit Kurzfilm. Die Rückmeldungen sind bisher äußerst positiv, der Aufwand geht gegen null, der Mehrwert muss beachtlich sein.

Wie funktioniert das?

Die Veranstaltung funktioniert nach dem Baukastensystem mit Filmen und digitalen Unterrichtseinheiten. Anhand der Kurzbeschreibungen und Filmtrailer kann die Lehrkraft den passenden Film für ihre Klasse aussuchen und die Klasse für die „Schule des Sehens“ anmelden. Nach der Anmeldung werden das Begleitmaterial sowie der persönlichen Zugang für den passwortgeschützten Online-Kinosaal zugeschickt. Im Online-Kinosaal des jeweiligen Films findet die Schulklasse dann drei mögliche Unterrichtseinheiten sowie weitere Kino-Details, die den (Online-) Festivalbesuch zum Erlebnis machen. Das Programm eignet sich sowohl für den Unterricht im Klassenzimmer als auch im Distanzunterricht in Form des Flipped-Classroom-Konzepts, für wahlweise 1 bis 3 Einzelstunden.

Neugierig geworden? Dann ab zur Anmeldung!

Das Programm läuft noch bis Ende Juli 2021. Es ist in Distanzunterricht, Wechselunterricht oder in Präsenz nutzbar. Für Altersgruppen von 2.-13. Klasse sind Angebote dabei. Weitere Infos gibt es hier. Kontakt für Rückfragen und Anfragen Maya Reichert unter reichert@dokfest-muenchen.de.

Schule des Sehens Visual Literacy Medien Film Kino Kurzfilm Schule Bildung Sanne Kurz Grüne Bayern Landtag_02


Kitas und Schulen in der Pandemie: Wann kommt der angekündigte Impfturbo?

Nach einer Ankündigung des Bayerischen Gesundheitsministers sollte es eigentlich ganz schnell gehen – doch erst heute, am 26.03.21 soll die Impfung von Schul- und Kita-Personal starten. Wo hakt’s? Ich habe bei Kitas und Schulen in meinem Stimmkreis München-Ost nachgefragt.

Springe gleich zu:

Impfen

Gemeinsam den Impfturbo schalten! Das kündigte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) Ende Februar an. Das Ziel: pädagogische Fachkräfte, Kitapersonal, Grundschul-Lehrkräfte, Schul-Personal in Grundschulen – sie sollen so schnell wie möglich in Bayern geimpft werden. Möglich wurde das, nachdem sich Bund und Länder endlich auf eine Änderung der Impfreihenfolge geeinigt hatten. Der Bayerische Gesundheitsminister forderte diese Personengruppen auf, sich zu registrieren und das Impfangebot wahrzunehmen. So weit, so gut.

Drei Wochen nach der vollmundigen Ankündigung dachte ich mir: Mal nachfragen, ob alles glatt läuft und gegebenenfalls anschieben helfen – das schadet nie. Was ist der Stand jetzt?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die Aufgabe der Opposition ist es, zu kontrollieren und nachzuhaken. Um zu überprüfen, ob der Impfturbo in Bayern wirklich so raketenartig zündete, habe ich mit, wie ich dachte, ausreichend Zeit zur Umsetzung der Versprechungen 440 Grundschulen und Kitas in meinem Stimmkreis München-Ost kontaktiert und nach dem Stand der Dinge gefragt. Denn dass all diejenigen, die täglich unsere Schulen und Kitas am Laufen halten, die zum Teil eng am Kind arbeiten und das den ganzen Tag, jetzt priorisiert geimpft werden, finde ich richtig und sehr wichtig.

Zwei meiner vier Kinder gehen in Kita und Grundschule. Aus meiner Arbeit im Elternbeirat weiß ich auch von vielen anderen Familien, wie wichtig offene Schulen und Kitas sind. Offene Schulen und Kitas bewahren nicht nur unsere Kinder vor dem Lagerkoller, sie stützen über die Familien auch eine gesamte Gesellschaft – unsere Gesellschaft. – Darum müssen die Menschen, die das täglich stemmen und die obendrein täglich mit neuen Verordnungen überflutet werden, umgehend geschützt werden. Für sie und ihre Familien braucht es ein sicheres Arbeitsumfeld statt des Zehnfach-Risikos.

Welle von Ärger und Enttäuschung

Ziemlich genau heute vor einer Woche klickte ich also auf „senden“ – und über 400 Mails waren in der Welt. Was ich mir nach dem miserablen Impf-Management der GroKo eigentlich hätte denken können, aber in dem Ausmaß nicht vermutete: Nicht mal eine Stunde später quoll mein Postfach über. – Das Feedback, das mich erreichte, war verheerend und kann ohne zu übertreiben getrost als sehr berechtigter „Frust-Tsunami“ beschrieben werden. Trotz der großen Ankündigung des CSU-Ministers zum „Impf-Turbo“ ging kaum etwas vorwärts. Im Gegenteil: Rückwärtsgang aus Berlin! Stop von AstraZeneca.

Verständlicherweise fühlten sich Betroffenen tief verletzt, sahen sich als Spielball der Politik, ausgeliefert einer Verwaltung und schlicht im Stich gelassen. Ein Beispiel: Die Landeshauptstadt München richtet eine eigene Impfstelle nur für Personal von Schulen und Kitas ein. Damit es schneller geht! Was macht BayIMCO? Kann nur ein Zentrum verwalten und bedienen! Für ein zweites muss eine neue Seite aufgebaut werden. Auf dieser Seite, erreichbar unter https://www.wir-impfen-muenchen.de/ blinkt dir am 18. März 2021 was entgegen?! Statt eines Anmeldeformulars zur Impfung Bauhelm und Kran, darunter die Nachricht: „Diese Domain ist für einen Kunden reserviert“. Informationen über die Impfung?  Fehlanzeige! Total peinlich und echt kein Wunder, dass sich da manche verschaukelt fühlen.

Eigene Impfstraße für Kita- und Schul-Personal in München

Nachdem ich Freitag begonnen hatte, Betroffenen zurückzumailen, und am Wochenende unsere Grünen Stadträtinnen für Gesundheit abgeklappert hatte, suchte ich am Montag das Gespräch mit der Referentin für Gesundheit der Landeshauptstadt München, Beatrix Zurek. Warum klappt das nicht? Können wir als Landtag helfen? Bekommt München genug Dosen geliefert? – Das Umland impft doch bereits Schul- und Kita-Personal…

Beatrix Zurek erklärte mir, dass aufgrund der Aussetzung von AstraZeneca der Impfstart für Kita- und Schulpersonal verschoben werden musste. Und ja, München kommt wie alle anderen großen Städte kaum nach mit Impfen – weil Kliniken von Psychosomatik bis Uniklinik schlicht im Umland nicht existieren, aber alle großen Städte bundesweit hier „ihre“ Kliniken mitversorgen müssen. Ja, auch wenn Personal und Patient*innen oft gar nicht in München wohnen. – Trotzdem bekommt München – wie alle großen Städte – weder mehr Impfdosen noch mehr Geld zugeteilt, als eine kleinere Umland Gemeinde, die „nur“ die eigene Bevölkerung impfen muss und sich dabei noch die spart, die in München arbeiten.

Großstädte versorgen den Speckgürtel mit – und erhalten keine Kompensation

Darüber hatte ich noch nicht im Detail nachgedacht. Dass die Geschichte stimmt, wusste ich von meinem ältesten Sohn, der im Umland eine Ausbildung zum Erzieher macht. Er wohnt in München und pendelt raus. Geimpft wurde er dort, wo er arbeitet. Und es pendeln ja viel mehr Menschen rein als raus! Das muss doch der Freistaat sehen, da muss man doch für Ausgleich sorgen, damit alle Regionen gleichmäßig versorgt werden. Oder? Wenn bevorzugen, dann Hochinzidenz-Gebiete, bitteschön! Alles sehr ärgerlich – aber gut, wenn man weiß, dass man im Gesundheitsministerium dringend nachhaken sollte. Ob’s hilft, das Nachhaken, bei der vor allem mit sich selbst beschäftigten CSU?! Nun denn.

Die „Bauhelm & Kran“-Website, von der ich Beatrix Zurek berichtet hatte, die lief jedenfalls flott noch am gleichen Tag des Gesprächs mit ihr. Wenn nur überall ein guter Austausch so rasch fruchten würde! Inzwischen gibt es sogar ein schönes Willkommens-Bild, Anmelde-Funktion und Infos. Danke, liebe Stadtrats-Kolleginnen, danke, liebe Beatrix Zurek, dass da gleich nachgebessert wurde!

Gut ist auch, dass es eine eigene Impfstelle speziell für Kita- und Schulpersonal gibt in München. Das finde ich toll! Heute, am 26.3., ging es dann laut Frau Zurek los mit der eigenen Impfstraße in der Isar-Klinik in der Sonnenstraße. – Hakt es noch? Bitte melden. Ich versuche gerne zu helfen.

Was, solange noch nicht alle ein Impfangebot haben? – Testen!

Wir fordern: Sicherheit für Schulen und Kitas durch einen echten Impfturbo und eine verbesserte Teststrategie

Der Leitsatz der Landtags-Grünen während der Pandemie ist „Kinder und Jugendliche zuerst“. Damit Kinder und Jugendliche angstfrei lernen und spielen können und Kita- und Schulpersonal sicher arbeiten kann, brauchen wir nicht nur ein viel schnelleres Impfen, sondern auch eine besser durchdachte Teststrategie!

Darum fordern wir Grüne regelmäßige Tests bis zu dreimal die Woche von externen Dienstleistern in Schulen und Kitas und eine flächendeckende Aufklärungskampagne, damit Impfen und Testen besser angenommen wird.

Meine Erstklässerin macht es schon – leider nicht den österreichischen Gurgel-Test, den ich sehr mag, sondern den sogenannten „Popel-Test“ einen Selbst-Schnelltest, aber hey, kleine Schritte sind auch Schritte. Wenn die Maskenskandale vorbei sind, hat die CSU vielleicht ja auch wieder Zeit, sich ums Krisenmanagement zu kümmern und das mit Impfen und Testen endlich auch für große Städte gewuppt zu kriegen. Aber ja mei – StM Trautner und StM Piazolo haben ja auch in einem Jahr nicht geschafft, vernünftige Schutzmaterialien wie tagesfrische FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen…

Fazit: Umgang mit den Orten, an denen unsere Kinder einen Großteil ihres Lebens verbringen? Bisher mangelhaft. Ich werde weiter dranbleiben, damit sich das zum Guten wendet. Unsere Erzieherinnen und Lehrerinnen hätten die Wertschätzung echt verdient.

Grüne Forderungen Impfen & Testen


Wichtig

Trotz des Impf-Debakels gilt: Impfen schützt Leben. Nur wer sich registriert, wird geimpft. Ich habe das schon erledigt: Ich bin für eine Impfung registriert und warte auf meinen Termin. Für eine Impfung registrieren geht leicht und schnell über das Online-Formular. Diese Seite gilt für alle Menschen in Bayern, egal welcher Beruf, welche Nationalität oder welcher Wohnort in Bayern.

Bild

Das Beitrags-Bild ist ein Beispiel-Bild und kein echtes Vakzin.

Runder Tisch „Grundschule und Pandemie“

Eins meiner vier Kinder besucht seit September die erste Klasse. Lesen, Schreiben, neue Freunde: Die Welt öffnet sich. Bis zum Lockdown. Dann: gedrückte Stimmung, Eltern im Homeoffice, Geschwister, die auch Bedürfnisse haben. Bei uns in München oft noch dazu mit wenig Platz, ohne Rückzugsort, nirgends Ruhe zum Lernen. Mitgehangen, mitgefangen die gesamte Schulfamilie: Lernende, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen. Zeit, um einander zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Seit Mitte Dezember läuft der Notbetrieb an den Schulen, jetzt ist Februar. Ende des Experiments: ungewiss. Gerade für die Jüngsten eine Wahnsinns-Herausforderung. Weil ich das täglich live mitbekomme, war es mir ein Riesen-Anliegen, meine Kolleginnen und Kollegen der Grünen, die Menschen aus der Verwaltung und die Schulfamilie zusammenzubekommen. Alle Ebenen, alle Beteiligten an einem virtuellen Tisch, um auszuloten: Wie läuft’s mit dem Distanzlernen? Was funktioniert nicht? Was kann man wie besser machen? Besser heute als morgen?

Wir müssen reden.

Statt den Schwarzen Peter einfach nur immer zwischen Land, Kommunen, Verwaltung, Schulen und Eltern hin- und herzuschieben, geht es vor allem darum, Landes- und Kommunalpolitik zusammenzubringen, um exemplarisch Probleme aufzuzeigen, Perspektiven zu diskutieren und der Schulfamilie Gehör zu verschaffen. Insofern hat es mich total gefreut, dass so viele meiner Einladung für den 29.01.2021 gefolgt waren: die Vertretung des Gemeinsamen Elternbeirats der Münchner Grundschulen (GEB) sowie des Gemeinsamen Elternbeirats der Horte und Tagesheime (GEBHT), des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands (MLLV), der Schulleiter einer Mittelschule in meinem Stimmkreis, die Grüne Stadträtin Anja Berger, der Geschäftsführer der LHM Services GmbH (die sich u.a. um die IT-Ausstattung in Schulen, Kitas und anderen pädagogischen Einrichtungen kümmert) sowie meine Landtagskollegen Max Deisenhofer (für die Bildungspolitik) und Florian Siekmann (für den Münchner Süden und Westen) – alle waren da. Genial!

Schleppende Digitalisierung

Natürlich gibt es, wie so oft im Leben, unterschiedliche Perspektiven und unterschiedliche Bedürfnisse. Doch bei den zentralen Baustellen herrschte schnell Einigkeit – nicht zuletzt hinsichtlich einer dem Bedarf weit hinterherhinkenden digitalen Grundausstattung. Zwar hat die Stadt München dank der LHM Services die Zahl der verfügbaren Endgeräte auf 58.000 Stück steigern und kurzfristig 2.000 dringend benötigte LTE-Router ausgeben können. Aber von einer angemessenen Versorgung ist man – nicht nur in Grundschulen – ein gewaltiges Stück entfernt.

„München als reiche Stadt konnte letztes Jahr in Vorleistung gehen und Geräte kaufen. Wir haben bisher einen guten zweistelligen Millionenbetrag in Schul-IT investiert.“

Anja Berger, bildungspolitische Koordinatorin, Stadtratsfraktion Die Grünen – Rosa Liste.

Solch stolze Summmen können viele andere Kommunen nicht aufwenden. Auf ganz Bayern hochgerechnet sind das 1,2 Milliarden Euro im Jahr – nur um mal ein Gefühl für die Lücke zu bekommen, die CSU und FW da im Bildungsetat unseres Landes klaffen lassen.

Verschärft wird die Situation durch den mittlerweile leergefegten Weltmarkt für Endgeräte. Da hätte StM Piazolo schon letzten Sommer planen und ausschreiben müssen, statt auf die übliche Vogel-Strauß-Taktik zu setzen. Natürlich löst IT nicht die sozialen Probleme. Die Enge zu Hause. Den Druck durch Noten und Übertritt. Aber eine fehlende IT ist mehr als einfach nur ärgerlich, weil sie Kindern, deren Eltern nicht einfach mal ein Tablet oder Laptop kaufen können, den Zugang zu Bildung noch mal massiv erschwert. Und auch hinsichtlich der WLAN-Ausleuchtung in den Schulen kann ich meiner Grünen Stadtratskollegin Anja Berger nur beipflichten, wenn sie von einem „Trauerspiel“ spricht.

Leave no child behind

Die Bildungsschere klafft weit auseinander und öffnet sich jeden Tag mehr. Vor diesem Hintergrund müsste der Wunsch von Anita Störmann vom GEB, „nicht so viele Kinder zu verlieren – am besten keins“ Herrn Piazolo eigentlich schlaflose Nächte bereiten und ihn – jetzt, umgehend, sofort! – zum Handeln bringen.

Lehrkräfte nicht im Regen stehen lassen

Technik ist kein Allheilmittel, und Technik muss auch funktionieren. Damit sind die Lehrkräfte bisher oftmals alleingelassen worden. Es bräuchte dringend hauptamtliche IT-Beauftragte, die die Lehrkräfte unterstützen, damit die sich auf das konzentrieren können, wofür man sie ausgebildet hat: lehren. Die Vermittlung digitaler Kompetenzen gehörte in der Vergangenheit nicht zur Lehramtsausbildung.

„Es wird nicht alles in wenigen Wochen oder Monaten aufgeholt werden können, was in den letzten 10-15 Jahren versäumt worden ist.“

Max Deisenhofer, Sprecher für digitale Bildung, Grüne Landtagsfraktion Bayern

Aber mit Aufholen anfangen könnte man ja mal! Zum Beispiel mit der Erkenntnis, dass der Arbeitgeber – der Freistaat Bayern – für Schutzausrüstung und Arbeitsgerät zuständig ist. Los geht’s, die Liste der To-dos ist lang!

Kommunikations-Desaster

Hauptproblem dieser Staatsregierung von StM Piazolo bis MP Söder: desaströse Kommunikation. Es kann doch nicht sein, dass man sich von einer Live-Pressekonferenz zur nächsten hangeln muss, um zu wissen, was eine Woche später gilt?! Es kann doch nicht sein, dass Informationen zu Maßnahmen bei den Schulen erst nach Inkrafttreten der Maßnahmen ankommen?! All dies – leider bisher bittere Realität im Freistaat.

Gute Kommunikation, echt Empathie, Vertrauen. Anja Berger, selbst Förderschul-Lehrerin im Hauptberuf, wie auch der MLLV haben zum Vertrauen noch eine Bitte: mehr Vertrauen in die Kompetenz an den Schulen selbst. Schließlich kennen die ihre Strukturen und wissen oft am besten, wo der Schuh drückt. Ja, mit einer Mischung aus klaren, vorausschauenden Leitplanken und einer Gestaltungsfreiheit der Schulen käme man deutlich weiter, so das Fazit meines Kollegen Max Deisenhofer.

Danke an alle, die sich an dem Abend Zeit genommen haben

Nochmals vielen herzlichen Dank für die Gesprächsrunde an Anita Störmann (GEB GS), Anke Sponer (GEB GS), Daniel Gromotka (GEB HT), Martin Schmid (MLLV), Isabel Franz (MLLV), Michael Hoderlein-Rein (MLLV), Martin Janke (LHM Services) und Ludwig Ziesche (Schulleiter Mittelschule am Inzellerweg, AK Demokratie des MLLV). Ich glaube ich kann für mich, meine Kollegin und die Kollegen sagen, dass wir viel mitgenommen haben für München und Bayern.

Ergebnisse:

  • Grüne Meetings in den Stadtbezirken im Münchner Osten mit Grünen BA-Mitgliedern für Bildung und Elternbeiräten der Schulen vor Ort
  • Grüner Dringlichkeitsantrag am 4. Februar: Faschingsferien nicht ausfallen lassen!

Grüne Anfragen zu Schule in der Pandemie (Auswahl):

Im Parteivorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind viele Menschen mit kleinen Kindern. Eltern! Nicht nur Robert Habeck und Annalena Baerbock. Home-Office, Home-Schooling – unsere Bundesvorsitzende Annalena Baerbock hat ihre Ideen mal zusammengefasst:

Interessierte, die einen Bezug zum Thema haben, können das Protokoll des Runden Tisches gerne anfordern via Mail an mich und mit dem Betreff „Schule“.

Digitaler Grüner Neujahrsempfang München Ost

Liebe Freundinnen und liebe Freunde, liebe Engagierte,

Auch im Jahr 2021 wollen wir mit unserem Neujahrsempfang, am 09. Februar um 19 Uhr, das politische Jahr einläuten – diesmal in digitaler Form, aber nicht weniger kommunikativ. Denn der inspirierende Austausch und das gemeinsame Gespräch sind wichtig, damit wir voller Hoffnung und Tatendrang zusammen ins Neue Jahr starten und uns auf das anstehende Wahljahr einstimmen können.

Wir, Sanne Kurz und Margarete Bause, werden aus dem Landtag und dem Bundestag berichten und durch den Abend führen. Dabei sein wird auch unsere Grüne Bürgermeisterin Katrin Habenschaden, sowie unsere Stadtrats- und Bezirksausschussmitglieder aus dem Münchner Osten, der Altstadt und dem Lehel. In kleinen Gruppen besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch.

Im Fokus des Abends stehen diesmal „Herzensprojekte“. Musikalisch begleitet uns wie immer Michaela Dietl.

Anmeldung bitte, falls noch nicht getan, über folgenden Link:

https://gruenlink.de/1w85

Es freuen sich auf den gemeinsamen Abend
Margarete Bause, Bundestagsabgeordnete
Sanne Kurz, Landtagsabgeordnete

Captain Marvel und die Katze – VFX/Digitale Bildgestaltung langfristig an der HFF München verankern

Wenn Captain Marvel eine Katzen-Allergie hat, eine der Hauptfiguren des gleichnamigen Films aber nun mal eine Katze ist, dann braucht man VFX – Visual Effects. Das, und nicht nur das, erfuhren wir diese Woche im Fachgespräch zum Thema VFX im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst.

Auf meine Anregung hin waren Expert*innen von nah und fern an die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) gekommen, deren Filmografie sich beachtlich liest. Täglich beweisen sie mit Filmen wie z.B. Black Panther, Thor, Spider-Man, Avengers, Trautmann, Dark, Türkisch für Anfänger, Fack Ju Göhte oder Toni Erdmann, dass Bayern mit Hollywood mithalten kann.

Die HFF München findet sich regelmäßig in den Top 15 der Filmhochschulen – weltweit. Wenn man aber die kreativen VFX-Köpfe hinter all den klingenden Filmnamen sucht, sucht man Made in Bavaria vergeblich. VFX werden zwar hier bearbeitet, Führungspersonal, die sogenannten „Heads of Departments“ (HODs) werden im VFX-, Animations- und Games-Bereich aber zumindest bisher andernorts in der Republik ausgebildet. Denn wie so oft hat die Staatsregierung hier den Zug der Zeit schlicht verschlafen. Das Wahlkampfversprechen – endlich – einen Schwerpunkt Digitale Bildgestaltung/VFX an der HFF zu etablieren, war nach der Landtagswahl schnell vergessen. Wir forderten mit unserem Antrag zum Doppelhaushalt die Einhaltung der CSU-Beschlüsse. Leider vergeblich.

Dass wir hier im Freistaat – anders als beispielsweise in Baden-Württemberg – keinerlei HODs im Bereich VFX/Digitale Bildgestaltung ausbilden, ist das eine. Dass der Missstand aber schon seit über 20 Jahren bekannt ist, dass angehende bayerische Autor*innen, Regisseur*innen, Produzent*innen das gewaltige kreative Potential der VFX hier im Freistaat nicht gemeinsam mit VFX-Kommiliton*innen lernen können, das andere. Und: Dieser Missstand führt in die kreative Diaspora und: zur

„Schere im Kopf“,

die auch Marcus H. Rosenmüller gut kennt – und in seinem Vortrag beklagte. Ich kann da nur sagen:

„Bewundernswert, dass die HFF München jetzt mit vereinten Kräften des Kollegiums in Vorleistung gehen will, und zum Wintersemester 2020/21 trotz der mangelnden Wertschätzung der Staatsregierung erstmals Studierende in einem Schwerpunkt VFX/Digitale Bildgestaltung aufnehmen will.“

Toll, dass die Präsidentin Prof. Bettina Reitz mit ihrem Team um die Professoren Tom Fährmann, Michael Coldewey und Jürgen Schopper hier anschiebt. Denn wir hier haben den Original-Content, wir haben die Inhalte! Unsere Ideen und Werte, unser Esprit und unsere Lebensart können so in der globalen Film-Community in Zukunft hoffentlich noch besser zu kreativen Höhepunkten finden. Doch Anschieben allein reicht nicht. Längerfristige Perspektiven müssen her! Denn sonst stehen die Studierenden, die im Herbst 2020 in diesem Bereich aufgenommen werden sollen, ganz schnell im Regen. Und der wäre nicht mal digital…

Weiterlesen:

Vorlesetag: Isar-Detektive

Bücher sind der Schlüssel zur Welt. Sie sind ein wunderbares Medium, um die Welt lesend zu weiten und auf Phantasiereise zu gehen. Darum lese ich liebend gerne vor. Toll, wenn es am bundesweiten Vorlesetag einen Anlass gibt, das mal nicht nur für die eigenen Kids zu tun.

Leider haben rund ein Drittel der Familien hierzulande keine Zeit mehr Kindern vorzulesen. Und das hat natürlich Auswirkungen auf den Zugang dieser Kinder zu Texten, Literatur und Bildung. Im Jugend- und Erwachsenenalter ist der Zugang zu Lesen und Literatur, einmal verpasst, nur noch sehr schwer herzustellen.

Gute Literacy-Arbeit von Schulen und Kitas

Kitas und Schulen machen hier einen Superjob und bemühen sich um Literacy, oft auch in Muttersprachen und Herkunftssprachen der Kinder. Jede Unterstützung für diese wichtige Basisarbeit zählt. Deshalb freue ich mich riesig, dass ich am bundesweiten Vorlesetag Menschen regelmäßig mitnehmen darf ins Reich der Bücher – und das auch noch in meinem Stimmkreis!

Am heutigen 20.11., dem bundesweiten Vorlesetag, war ich zuerst an der Mittelschule am Inzeller Weg in 5. und 6. Klassen und dann noch in einer 6. Klasse am Michaeli-Gymnasium München. Im Gepäck: „Die Isar-Detektive“, eine spannende Kinder-Kriminalgeschichte, die u.a. in die Katakomben des Maximilianeums führt von Anja Janotta mit Illustrationen von Stefan Leuchtenberg. Lesen, Zuhören, Landtag kennenlernen – ein Traumtag!

„Und wieviel verdient man da so?“ – Fragerunde an eine Politikerin

Wenn schon mal eine Politikerin da ist und einem die Luft des Bayerischen Landtags literarisch um die Nase weht, braucht es natürlich auch Raum, seine Neugierde zu befriedigen, und so nahm ich mir noch Zeit, die vielen Fragen der Kinder und Jugendlichen zu beantworten. Superspannend z.B. die Frage, welche Qualifikationen man braucht, um Politikerin zu werden und was man verdient… Na?? Wisst Ihr es?

Vorlesen online oder mit Sanne vor Ort.

Neugierige können mich einfach auch mal zu sich in die Klasse oder Schule einladen oder schon mal auf meiner Transparenz-Seite stöbern. Wer wegen Corona gerade nicht in die Schule darf, kann „Die Isar-Detektive“ gleich hier unten vorgelesen bekommen – Kapitel eins und zwei machen Lust zum Weiterhören. Auch einen echten Blick in die Katakomben des Maximilianeums (ja, die gibt es echt! Ich habe da als Filmemacherin schon mal gedreht…) findet Ihr beim Runterscrollen.

Wahnsinnig toll finde ich die Initiative meines Landtags-Kollegen Jojo Becher. Er ist Sprecher für Frühkindliche Bildung, hat den Beruf zur Berufung gemacht und liest Kinderbücher vor – jede Woche. Total schön gemacht passend zur jeweiligen Woche, immer 5-10 Minuten und mit schönen Titel-Illustrationen. Zu hören auf YouTube, Spotify oder Soundcloud.

Anfrage: IAA – ja / Literatur – nein?!

Der Hofgarten München ist ein öffentlicher Park. Dass die CSU Parks und Gärten vor allem fürs Marketing liebt, sah man schon bei der Kür des Alten Botanischen Gartens zur „Fanzone“ für die EM 2021. „Ein bisschen Musik und viele Dixiklos“ titelte die SZ. – Weiter geht’s mit Gaudi à la CSU im Hofgarten. Dort wurde zwar die Nutzung durch die Internationale Automobil-Ausstellung IAA erlaubt, aber eine kleine Lesung örtlicher Künstler*innen verboten. Meine Anfrage zu der Posse.

Ein Facebook-Post machte mich aufmerksam auf etwas, was ich kaum glauben konnte: Der Lyriker Tristan Marquardt und sein Team hatten sich monatelang bemüht, pandemiebedingt eine Lesung statt in einem Innenraum des Kunstvereins im großen und luftigen Außenraum abzuhalten – im Hofgarten. Einem Park und Gartendenkmal, der dem Freistaat Bayern gehört. – Angeblich unterstützt der Freistaat die Kultur mit Räumen. Denn:

Ihr erinnert Euch? Schon zu Beginn der Pandemie hatten wir angefragt, ob man nicht – da das bayerische Haushaltsrecht es zuließe – Räume und Außenflächen mietfrei für Kunst und Kultur zur Verfügung stellen könnte. „Nicht nötig“, urteilten CSU und Freie Wähler, „klappt doch alles schon! – Läuft!“

Raum für Kultur – Klappt doch alles schon?!

Dass die Realität ganz anders aussieht, zeigt sich auch in dem, was hier geschah. Verbot einer Lesung ist das eine. Aber Nutzungserlaubnis für eine Auto-Industrie-Lobby-Show?!? – Ich fragte gleich mal nach für den kleinen Kunstverein, um Gewissheit zu erhalten. Vielleicht war ja alles nur ein Missverständnis. Leider wurden sämtliche Vorurteile, die man über die Auto- & Lobbyparteien dieses Landes haben mag, bestätigt…

Meine Frage an die Staatsregierung:

Da die Bayerische Schlösserverwaltung die Durchführung von Kulturveranstaltungen in den Arkaden des Hofgartens mit der Begründung verhindert, den „Charakter des Hofgartens als Gartenkunstwerk zu erhalten und zu schützen“, der SZ vom 7. Mai 2020 jedoch zu entnehmen war, dass für die Internationale Automobilausstellung IAA „auch der Freistaat Flächen zur Verfügung“ stelle, „und zwar im Hofgarten“, frage ich die Staatsregierung, wie sie die Genehmigung der Nutzung des Gartenkunstwerks Hofgarten durch die IAA begründet, wie die Staatsregierung die Nichterteilung einer Genehmigung für die Literatur-Lesereihe „Meine drei lyrischen Ichs“ begründet, welche pandemiebedingt dringend Außenflächen suchte, am 2. Oktober 2020 jedoch eine finale Absage erhielt, obschon sich die Schlösserverwaltung „es sich zur Aufgabe gemacht [hat], die historischen Bauten und Anlagen zu öffnen und zu beleben“ (https://schloesser.bayern.de/deutsch/ueberuns), welche Außenfläche des Freistaats seit Pandemiebeginn für kulturelle Zwecke seit März zur Verfügung gestellt wurden (bitte mit Angabe von Mietkosten, Mietnebenkosten, Überlassungs- bzw. Nutzungszweck und Ort)?

Wer sich schnell aufregt, sollte sich zum Lesen dieser Antwort besser setzen:

Für den Kernbereich des Hofgarten München gehen zahlreiche Nutzungsanfragen bei der Verwaltung ein. Aufgrund des hohen Nutzungsdrucks wurden verbindliche Maßgaben für alle geschaffen. Die Hofgartenarkaden werden nur im Einzelfall für kleine, überschaubare Eigenveranstaltungen der unmittelbar in den Arkaden im Erdgeschoss untergebrachten Ladeninhaber und für Traditionsveranstaltungen vergeben.
Die Hofgartenstraße kann für besonders herausragende, klar abgrenzbare Veranstaltungen genutzt werden. Es wird darauf geachtet, dass die Anzahl der Veranstaltungstage gering gehalten wird.

Die Internationale Automobilausstellung ist eine Veranstaltung, die den Freistaat Bayern weit über seine Grenzen hinaus repräsentiert. Bei der Internationalen Automobilausstellung soll die Hofgartenstraße als Verkehrsweg für den Besucherverkehr zwischen den einzelnen Ausstellungsorten, für die Präsentation von Neuheiten bei Fahrrädern und E-Bikes in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde bei der Landeshauptstadt München genutzt werden.

Für kulturelle Veranstaltungen wird ein deutlich niedrigeres Mietentgelt erhoben. Außerdem werden für die Veranstaltungsflächen in den Objekten der Schlösserverwaltung aufgrund der Einschränkungen der Nutzung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus (nochmals) reduzierte Mietentgelte festgesetzt.

Antwort des Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat

Mit anderen Worten: Die IAA, eine Veranstaltung des größten Autolobbyverbandes Europas, legt schlicht und ergreifend mehr Knete hin als die Künstlerinnen und Künstler. Oh, und: Autos repräsentieren Bayern – „weit über seine Grenzen hinaus“.

Automesse ja, Gedichte nein

„Automesse ja, Gedichte nein – Eine Posse um die Nutzung des Hofgartens erreicht den Landtag“ titelte die SZ zu dem Vorgang am 23.Oktober 2020.

Aber auch mit anderen Nutzungen sieht das, CSU-FW „Klappt doch schon!“, sehr, sehr mau aus:

Für den Zeitraum seit Pandemiebeginn (17. März 2020) bis Veranstaltungsbeginn am 31. August 2020 wurden nachfolgende Außenflächen in Objekten der Schlösserverwaltung für kulturelle Zwecke genutzt:

Kostenlos gab es staatliche Flächen genau 2x:

  • Neue Residenz Bamberg, Rosengarten 27.06.2020, 18.+25.07.2020, 01.08.2020 für ein Konzert
  • Domplatz Bamberg, 12.07.2020, Heinrichsfest

Vermietet für Kultur hat man in der Pandemie Außenflächen in 24 Wochen 8 Mal, also alle drei Wochen einmal:

  1. Hofgarten Ansbach, 04.+05.07.2020, Festspiele, 600,00€
  2. Alte Hofhaltung Bamberg, Beschlagbrücke, 18.07.2020, Buchpräsentation, 100,00€
  3. Residenz München, Kabinettsgarten, 26.07.2020, Konzert, 150,00
  4. Schlosspark, Schleißheim, 26.07.2020, 02.+12.08.2020, Konzert, 900,00€
  5. Hofgarten Dachau, 24.-26.07.2020, Festival, 750,00€
  6. Residenz Ansbach, Innenhof, 04.-17.08.2020, Open Air Kino, 750,00€
  7. Residenz München, Brunnenhof, 26.08. – 07.10.2020, Konzertaufbau, 6.275,00€
  8. Schloss Neuburg, Schlosshof, 24.-29.08.2020, Konzert, 500,00€

Nebenkosten für Versicherung, Reinigung, Anschlüsse, Verwaltungsgebühren & Co kennt man als Veranstalter*in ja auch noch. „Die Höhe der Nebenkosten zum Mietentgelt (…) konnten in der kurzen Beantwortungszeit nicht erhoben werden.“, sagt das Ministerium.

Klappt doch alles schon? – Läuft??

Also wir Grüne finden, man sollte unseren Antrag zur kostenlosen Nutzung staatlicher Räume für Kunst und Kultur dringend noch mal aus der Schublade holen und die Ideen daraus umsetzen! Gerne, liebe CSU und FW, gerne dürft Ihr erzählen, es sei eure tolle Idee gewesen! Markus Söders „Kulturfrühling„, von dem er fabuliert, oder so etwas in der Art… Schmückt euch mit fremden Federn und dicken Lorbeeren – solange es nicht für die IAA ist, ist’s mir recht.

Wer Denkmäler liebt und Kunst wie Lyrik schätzt, kann sich bei schönem Wetter einfach selbst mal in den Hofgarten stellen und deklamieren. Wie wäre es z.B. mit einer Deklamation des unten stehenden Auszug aus dem Register der Denkmäler in Bayern?

Ein gesunder Kultur-Flashmob hat noch niemandem geschadet und die Staatskanzlei ist ja gleich nebenan… ?

D-1-62-000-2027
Oberbayern München (München (Stadt))
Hofgartenarkaden,
nördliche Randbebauung des Unteren Hofgartens,
vom Lusthaus Albrecht V.
Teile samt westlichem Eckturm
und gewölbtem Gang
mit Säulenarkaden erhalten,
mit Resten von Rollwerkmalerei,
um 1560;
darüber Pfeilerarkadenreihe
der ehemaligen Hofgartenarkaden,
1866 vom Neurenaissancebau
des Kunstvereins überbaut;
nach dessen Kriegszerstörung
nur in Teilen überliefert;
an das Untergeschoß anschließend
in unteren Partien erhaltenes
Brunnhaus
Maximilian I.,
1613-17, Erweiterung
von Leo von Klenze,
1847/48;
mit
technischer
Ausstattung.

„Kleine Anfrage“ – AzP „Nutzung des Hofgartens durch die IAA“

Da die Bayerische Schlösserverwaltung die Durchführung von Kulturveranstaltungen in den Arkaden des Hofgartens mit der Begründung verhindert, den „Charakter des Hofgartens als Gartenkunstwerk zu erhalten und zu schützen“, der Süddeutschen Zeitung vom 7. Mai 2020 jedoch zu entnehmen war, dass für die Internationale Automobilausstellung (IAA) „auch der Freistaat Flächen zur Verfügung“ stelle, „und zwar im Hofgarten“, frage ich die Staatsregierung, wie sie die Genehmigung der Nutzung des Gartenkunstwerks Hofgarten durch die IAA begründet, wie die Staatsregierung die Nichterteilung einer Genehmigung für die Literatur-Lesereihe „Meine drei lyrischen Ichs“ begründet, welche pandemiebedingt dringend Außenflächen suchte, am 2. Oktober 2020 jedoch eine finale Absage erhielt, obschon sich die Schlösserverwaltung „es sich zur Aufgabe gemacht [hat], die historischen Bauten und Anlagen zu öffnen und zu beleben“ (https://www.schloesser.bay- ern.de/deutsch/ueberuns/) und welche Außenflächen des Freistaates seit Pandemiebeginn für kulturelle Zwecke seit März zur Verfügung gestellt wurden (bitte mit Angabe von Mietkosten, Mietnebenkosten, Überlassungs- bzw. Nutzungszweck und Ort)?

Zur Antwort geht’s hier:

AzP Nutzung des Hofgartens durch die IAA

„Kleine Anfrage“ – AzP „KFZ-Verwahrstelle der Münchener Polizei in der Thomas-Hauser-Straße 19“

Ich frage die Staatsregierung, wie hoch sind die Kosten einer Verlegung der KFZ-Verwahrstelle des Polizeipräsidiums München, wie viel Zeit würde eine Verlegung der KFZ-Verwahrstelle ab dem Moment der Entscheidung für einen Alternativ-Standort in Anspruch nehmen und welche Anforderungen an einen Standort bringt die KFZ-Verwahrstelle mit sich (bitte mit Angabe zu erforderlicher maximaler Stellplatzfläche, Erreichbarkeit und ÖPNV-Anbindung, erforderliche Bauhöhe bei Stapelung der Stellplatzfläche)?

Hier geht’s zur Antwort:

AzP „KFZ-Verwahrstelle der Münchener Polizei in der Thomas-Hauser-Straße 19“

Nachtkultur-Tour – München: So, wie es jetzt geht, geht nicht.

Clubs, Szene-Treffs, Live-Musikspielstätten: Wo vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie das Leben pulsierte, herrscht jetzt Totenstille. Das Nachtleben macht unterdessen keine Corona-Pause. Gefeiert und getanzt wird nun in Parks, auf öffentlichen Plätzen und in Privaträumen. Vorschriften und Verbote greifen hier kaum, eine konsequente Kontrolle ist nicht möglich. Der düstere Ausblick ist für uns Grüne nicht Anlass zum Abgesang, sondern Ansporn zum Suchen von Lösungen in der Krise.

Die einst vielfältige bayerische Nachtkultur-Szene hungert aus. Junge Menschen werden ihrer Kultur- und Sozialorte beraubt, Clubs und Veranstalter*innen leiden unter dem Berufsverbot, Gelder aus Hilfsprogrammen reichen nicht aus, um ein Überleben zu sichern. Wenn die Clubs und Veranstaltungsorte weiterhin nicht öffnen können, werden viele sehr bald schließen müssen. Eine Nachtkultur-Infrastruktur wird sterben und für unsere Städte für immer verloren sein.

Nachtkultur und Subkultur sind für viele Menschen sinnstiftender Dreh- und Angelpunkt ihres persönlichen Lebens. Sie sind Teil ihrer Identität. Der Corona-Sommer hat gezeigt, dass eine Schließung von Orten der Nachtkultur wie Clubs- und Live-Musikspielstätten dazu führt, dass sich die Zentren der Nachtkultur verlagern: raus aus geordneten Milieus, hinein in den öffentlichen Raum – und ins Private. Im privaten Raum kennt man jedoch keinen Lärmschutz, keinen Brandschutz, keine Lösungen für Müll, Kohlenmonoxid, Toiletten und vor allem:

keine Hygiene-Konzepte, keinerlei Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten.

Betreiber*innen als erfahrene Partner*innen und Profis im Einhalten von Regeln begreifen, mit der Szene in Dialog treten und letztlich Nachtkultur wieder an eingespielte Orte zurückverlagern – das muss die Devise sein!

Denn klar ist: Die Komplett-Schließungen von Clubs haben unter Aspekten der Pandemie-Bekämpfung nicht zum erwünschten Erfolg geführt. Zahlen schnellen nach oben, das Robert-Koch-Institut warnt vor privaten Treffen als den Infektionstreibern. Eine kontrollierte Öffnung der Nachtkultur kann hier Schlüssel zur Lösung sein.

Denn es gibt längst etliche Ideen und Konzepte von Veranstalter*innen, die effektiven Infektionsschutz und sichere Infektionsketten-Nachverfolgung ermöglichen.

Wir fordern einen Runden Tisch, an dem die Ideen der Profis Gehör finden.

Die Nachverfolgung von Infektionsketten, eine Verringerung des Ansteckungsrisikos sowie das gezielte Eingehen auf das lokale Infektionsgeschehen werden dort möglich, wo man Nachtkultur aus dem Privaten wieder an bekannte und eingespielte Orte der Nachtkultur zurück verlagert. Sicherheit wird dort möglich, wo statt zugesperrter
Clubs und florierenden Privat-Partys in irgendwelchen Kellern und Schuppen privates Party-Hopping verhindert wird, Contact-Tracing, Schnelltests, Online-Ticketing mit ID-Verifikation und sinnvolle
Hygienepläne umgesetzt werden.

Die Szene hat viele Ideen. Hören wir ihnen zu! Setzen wir die guten Ideen gemeinsam um!

Die Weiterentwicklung des “Stuttgarter Modells” durch den Verband der Münchner Kulturveranstalter e.V. (VDMK) sieht u.a. vor, dass durch ein Online-Ticketing-System Party-Hopping verhindert wird und durch einen effektiven Raumluftaustausch das Ansteckungsrisiko minimiert wird. Das alles ohne pauschalen Deckel hinsichtlich der Zahl erlaubter Gäste, sondern mit je nach Pandemie-Geschehen vor Ort prozentualer Auslastung, die sich nach der bereits bestehenden baurechtlichen Genehmigung richtet. Bereits bestehende Vorgaben und Auflagen würden so für den Pandemie-Notbetrieb effizient genutzt. Auch Schnelltests vor dem Wochenende, Tanz-Cluster mit Absperrungen in größeren Clubs und Contact-Tracing im Club mit Tracking, wem man denn nun genau wie nahe kam, sind Ideen der Szene.

Brandschutz, Jugendschutz, Emissionsschutz, Baurecht: Seit Jahrzehnten sind Clubs Profis im Umsetzen von Regeln.

Dass etliche politische Entscheider*innen der Nachtkultur nicht gerade nahestehen, überrascht wenig. Trotzdem sollte man anerkennen, wie gut hier über Jahrzehnte gearbeitet wurde. Denn so, wie es jetzt geht, mit einer Verlagerung ins Private, und das ohne jegliche Kontrolle, so geht es jedenfalls nicht. Die Infektionszahlen sprechen hier eine klare Sprache.

„Zu Hause mit der Partnerin tanzen“ verkennt die Lebensrealitäten einer gesamten Generation.

Vom Publikum der Nachtkultur zu fordern, es möge doch „zu Hause mit der Partnerin tanzen“, verkennt die soziale Funktion der Nachtkultur, den wirtschaftlichen, touristischen und kulturellen Wert, aber auch den Lebensstil einer ganzen Generation.

Wir fordern in unserem Antrag einen Runden Tisch Nachtkultur für Bayern.

Jede Idee, jedes der Konzepte der Branche trägt dazu bei, dass Infektionen nach dem Wochenende nicht in Unis, Schulen, Arbeitsstätten und Kindergärten hineingetragen werden. Nur mit gemeinsamem Vorgehen, guten Konzepten und einer kontrollierten Öffnungsperspektive für die Nachtkultur können wir ein weiteres Hochschnellen der Infektionszahlen in Bayern vermeiden.


Pressekonferenz im Landtag – 02.10.2020

Die Grüne Landtagsfraktion Bayern hatte am 2. Oktober 2020 zur Pressekonferenz zum Thema Nachtkultur in den Bayerischen Landtag geladen. Für die Szene sprachen Daniel Hahn, u.a. Alte Utting, Bahnwärter Thiel, Kulturverein Wannda e.V., und Patrick Oginski, Geschäftsführer von Südpolmusic, Betreiber des Live-Musik-Clubs Zehner, im Vorstand des Verbands der Münchner Kulturveranstalter VDMK e.V., deren Veranstaltungen jährlich ca. 10 Millionen Menschen besuchen. Der VDMK hat das „Stuttgarter Modell“ weiterentwickelt, ein Hygienekonzept für Live-Musikspielstätten. Stand heute diskutiert die Branche neben SMS-gestütztem Online-Ticketing (Mobilnummer-Verifikation) die Auslastung nach baurechtlichen Genehmigungen in Zusammenhang mit jeweiliger Lüftungsanlagen-Kapazität und im Zusammenwirken mit lokalem Infektionsgeschehen. Auch Abstands-Möglichkeiten durch räumlich getrennte „Tanz-Cluster“ (z.B. Absperrungen), Schnelltests vor dem Wochenende und Masken sind im Gespräch.

Runder Tisch München mit Dieter Janecek und Sanne Kurz – 26.09.2020

Vergangenes Wochenende trafen Dieter Janecek, Bundestagsabgeordneter der Grünen, Ludwig Sporrer, Grüner AK Kulturinitiative München AK KIM und ich bereits Bernd Schweinar, bayerischer Rockintendant und Geschäftsführer vom Verband für Popkultur in Bayern VPBY e.V., Hans-Georg Stocker, Geschäftsführer des Backstage, das in der Not „Biergarten-Konzerte“ anbietet, und den VDMK, vertreten durch Patrick Oginski.

Wir sprachen über die Wichtigkeit von Pilotprojekten, die Unsinnigkeit einer pauschalen Deckelung der Publikumsgröße bei Kultur und der sinnvollen Regelung der ungedeckelten Personenzahl in der Gastro. Mehr als einmal wurde im Gespräch klar, wie die CSU-FW-Regierung den Gleichheitsgrundsatz immer wieder verletzt:

  • Musik + Schweinshaxe = \infty Personen erlaubt.
  • Musik – Schweinshaxe = 200 Personen erlaubt.
  • Konzert + Staatsoper = ein Pilotprojekt wert.
  • Konzert + Rock/Pop = kein Pilotprojekt wert.
  • Privat-Feier + Keller von Opa = Soll: 25 Personen
  • Privat-Feier + Restaurant = \infty Personen
  • Privat-Feier + angemietete Location = 50 Personen

Auch gefühlt im Stundentakt veränderte Regeln und Auflagen und Intransparenz von Entscheidungen machen neben der eklatanten Ungleichbehandlung zu schaffen.

Aber es gibt viele Ideen und Lösungen. Die Branche setzt auf Gesundheitsschutz, denkt den „Montag nach der Party“ mit und hat bereits viele konstruktive Ideen entwickelt. Dabei ist zu beobachten, dass unterschiedliche Nutzung und unterschiedliche Lokalitäten durchaus unterschiedliche Bedarfe und Möglichkeiten haben. Immer jedoch sind die, die zum Teil seit Jahrzehnten verantwortlich Nachtkultur anbieten, sehr detailliert informiert. Dieses exzellente Wissen gilt es zu nutzen: Partnerschaft statt Wegschauen. Runder Tisch statt Pauschalverbote. Denn:

So, wie es jetzt geht, geht es nicht.


Fotocredits:
Landtag und Pressekonferenz: Lambert Strehlke
Gruppenbild Backstage: Stella Deborah Traub

Stationen der Nachtkultur-Tour:

Auftakt Pressekonferenz – Nürnberg – München – Bayreuth – Augsburg – Rosenheim – Regensburg – Passau – Bamberg – Landshut

Auch bei der Nachtkultur-Tour dabei sein? Kurze Mail an Sanne Kurz genügt!


Kulturbeirat in München: wer sucht, findet auch!

Verheißungsvoll der Antragstitel „Mit Mut, Visionen und Zuversicht – Kulturbeirat der Koalitionsvereinbarung zeitnah umsetzen“. Und genau so stellen wir uns die Arbeit des demokratischen Mitbestimmungs-Gremiums Kulturbeirat auch vor. Wie man ihn findet und wie er zusammengesetzt sein soll, der Kulturbeirat? Einige Ideen hier!

Das Wunderbare bei Bündnis 90/Die Grünen ist die Basisdemokratie. Mitglieder und Zivilgesellschaft sind immer willkommen zu Debatte und Austausch. Von Tag eins der Mitgliedschaft können alle mitmachen, mitstimmen und auch Anträge stellen. Mein letzter Antrag war einer für die Stadtversammlung im September.

Alle können mitbestimmen

Katharina Wolfrum und Ludwig Sporrer vom Grünen Arbeitskreis Kulturinitiative München (AK KIM) hatten zusammen mit mir vierzehn Tage lang in der ganzen Republik recherchiert, was das genau bringt, mit dem Kulturbeirat. Viele Telefonminuten lang haben wir uns die Köpfe heiß geredet, wie man es denn nun genau machen könnte mit dem Kulturbeirat. Dem Kulturbeirat, der ja dank der Stadtratsfraktion von Die Grünen – Rosa Liste im Koalitionsvertrag steht.

Ein Beirat, der mehr soll, als nur Empfehlungen abgeben

Der Kulturbeirat ist ein Gremium, dass den Stadtrat sowie den Kulturausschuss in kulturellen Fragen beraten und Brücken bauen soll zwischen politischen Mandatsträger*innen und kulturellen Organisationen bzw. Kulturschaffenden. In der Regel sind die Entscheidungsbefugnisse und Kompetenzen von Beiräten generell eher überschaubar, meistens dürfen sie nur Empfehlungen aussprechen und beratend wirken. So wünschen wir uns das natürlich nicht, vielmehr wollen wir einen echten Impuls- und Taktgeber im Bereich kommunaler Kulturpolitik!

Partizipation maßgebend im Findungsprozess

Und weil Beteiligung und Basisdemokratie nun mal zu unserer Grünen DNA gehört, haben wir uns für unseren Antrag „Mit Mut, Visionen und Zuversicht: Kulturbeirat der Koalitionsvereinbarung zeitnah umsetzen“ darum dazu entschlossen, vor allen das Wie des Einrichtens und Findens genauer unter die Lupe zu nehmen. So findet sich in unseren Forderungen z.B. dass

  • EU-Bürger*innen ab 16, die sich den unterschiedlichen Kunst- und Kultursparten zuordnen, ebenso wie Unabhängige kandidieren dürfen sollen
  • der Beteiligungsprozess zur Findung von Zusammensetzung, Größe, Aufbau und Amtszeit des Gremiums Kulturbeirat insbesondere Fragen klären soll wie: Amtszeit, Zusammensetzung, Sitzungstransparenz, Geschlechter-Parität oder Geschäftsordnung des Gremiums.

Jede Menge Rückenwind für unseren Antrag – und für die Kultur

Selbstverständlich freut es die Sprecher*innen vom AK KIM, Katharina Wolfrum und Martin Blenkemeyer, genauso wie Antrags-Team David Süß, Stadtrat, Ludwig Sporrer und mich total, dass unser Antrag bei der Stadtversammlung der Münchner Grünen auf Platz 2 gerankt wurde. Dass dann auch noch eine gewaltige Mehrheit der Mitglieder mit 109 zu 12 Stimmen den Antrag angenommen hat, zeigt, welch zentrale Position Kultur – von Stadtbibliothek bis Vorlese-Programm, von Staatsoper bis Freie Szene, von Kino bis Club – im Herzen der Stadt einnimmt. Dank des neu zu schaffenden Kulturbeirats besser und gefestigter denn je.

Dank an alle, die mitgerankt haben und mitgestimmt haben!

„Kultur in der Krise“ – Debatte im Münchner Volkstheater

„Kultur in der Krise“ – unter diesem Titel hatten die Kulturmanagerin Katrin Neoral und die Sängerin Anamica Lindig von Jour Fix München e.V. Politiker*innen und Kulturschaffende auf dem Podium des Münchner Volkstheaters versammelt. Die mittlerweile dramatische Lage der Betroffenen ließ sich auch vom anwesenden Kunstminister nicht kleinreden.

Hier die Diskussion in voller Länge:

Trockenes Pulver = ausgetrocknete Kulturbranche

Für mich war es Ehrensache, der Einladung zur Diskussionsrunde „Kultur in der Krise“ zu folgen. Denn viel zu lange blieben die Stimmen aus der Kulturbranche ungehört. Viel zu lange folgten Sonntagsreden, Ankündigungen, Korrekturen, Ausflüchte der in der Regierung Zuständigen aufeinander, ohne dass substantielle Hilfen tatsächlich geflossen sind. Von den 140 Millionen Euro, die in Aussicht gestellt worden waren, sind ganze 120 Millionen immer noch nicht ausgezahlt worden. Offenbar behält man nicht nur im bayerischen Wirtschaftsministerium die bayerischen Euros lieber für sich: Auch im Ministerium für Wissenschaft und Kunst scheint die Devise „Geld lieber behalten und verwalten“ von Herrn Aiwanger – der bei der Diskussion erneut durch Abwesenheit glänzte – Anklang zu finden. Nicht zuletzt deshalb droht in der Kulturbranche jetzt ein Kahlschlag, dessen Auswirkungen wir alle wohl noch jahrzehntelang spüren dürften.

Was tun? Etwas tun!

Dabei haben wir Grüne sehr konkrete Vorschläge, wie Kulturschaffenden geholfen werden kann . Ja geholfen werden muss, will man nicht endgültig den „point of no return“ (so der Untertitel der Veranstaltung) erreichen. Unsere Vorschläge unterbreiten wir im Ausschuss und gegenüber den Ministerien und der Staatskanzlei schon sein Monaten. Doch vielleicht dringen die Betroffenen eher zum Ohr von Sibler, Söder & Co vor? Hoffentlich!

Es ist fünf nach zwölf.

Denn dass den Menschen in der Kulturbranche das Wasser mittlerweile bis zur Nase steht, führten die eingeladenen Gäste – unter ihnen Christian Stückl (Leiter des Volkstheaters), Till Hofmann (Konzertveranstalter, Kulturmanager), Dieter Semmelmann (Konzertveranstalter) und Edmund Wächter (Musiker, Vorstandsmitglied des Tonkünstlerverbands München) – eindringlich vor Augen. Da ist jede Beschwichtigungs- und Zeitschinde-Rhetorik, wie sie seitens der Regierung seit Beginn der Pandemie im Hinblick auf die Kulturbranche betrieben wird, fehl am Platz.

„Kultur“ muss auf die Tagesordnung – und in die Köpfe der Regierenden!

Ach ja, und am Ende erfuhr man noch, dass der Punkt „Kultur“ bei der Ministerratssitzung drei Tage später kurzerhand von der Tagesordnung gestrichen worden ist. Ist ja auch nicht so wichtig, oder? Viel deutlicher kann man die mangelnde Wertschätzung nicht zum Ausdruck bringen.


Zu den Hintergründen der Veranstaltung findet man auf der Seite der Kulturplattform jourfixe-muenchen, zu deren Mitgliedern auch die beiden Initiatiorinnen gehören, mehr Infos.

Und hier noch eine kleine Pressenachlese zur Podiumsdiskussion:

Sanne Kurz spendet an Mini-München – eine Stadt von Kindern für Kinder

Mini-München ist der Ort, an dem man arbeiten, studieren, heiraten und regieren kann. Als Kind oder jugendliche Person, ohne Einmischung Erwachsener. Auch Steuern zahlen muss man, um Dinge wie Müllabfuhr, städtische Zuschüsse oder Rathaus zu finanzieren. Warum ich eine Stadt für Kinder unterstütze, lest Ihr hier.

Die Entschädigung von Abgeordneten in Bayern ist an einen Index geknüpft, kann also hoch- und runtergehen, entsprechend der Einkommensentwicklung in Bayern. Da immer das Vorjahr ausschlaggebend ist, bekommen wir Abgeordnete eine Anpassung, die sich mitten in der Krise am – guten – letzten Jahr orientiert. Weil es in der Pandemie aber an so vielen Ecken und Enden fehlt, haben wir als ganze Grüne Fraktion beschlossen, unsere jeweiligen Entschädigungs-Anpassungen zu spenden – immerhin knapp 3.000 Euro pro Person.

Kinder + Demokratie + Kultur = Mini-München

Für mich war rasch klar, dass ich etwas für Kinder, die Vergessenen der Pandemie, tun will. Außerdem sollte es bei uns im Münchner Osten sein und – na klar – mit Kultur zu tun haben. Und eine Prise Demokratie wäre auch nicht schlecht, oder? In der Zeitung las ich dann von Mini-München, einem meiner Münchner Lieblings-Projekte, das heuer 40 Jahre alt wurde und weltweit Schule gemacht hat. Pandemiebedingt verteilte sich die Spielstadt diesmal über ganz München. Bei uns im Osten waren der Ostpark mit Theatron und das Schulzentrum Quiddestraße zentrale Standorte. Natürlich bräuchte Mini-München dauerhaft eine feste Heimat. Aber dank der Ausnahmesituation hatten die Kinder und Teens aus Neuperlach endlich auch mal ein tolles Angebot direkt vor der Haustür.

Zeit für die Kinderuni und Geld für eine „Straße der Kultur“

Kinder und Jugendliche bauen bei dem vom Stadtjugendamt organisierten Projekt eine Stadt, leben eine Stadt. Ich wollte Zeit und Geld spenden: So unterrichtete ich an der Mini-München-Uni ein Seminar „Mitreden, mitmachen – warum Demokratie wichtig ist“. Eigentlich dürfen Erwachsene nur mit Visum in die Spielstadt. An der dortigen Uni kann man aber als Gast-Lehrkraft neben Kinder-Profs gut unterkommen.
Ich war kurz vor den Mini-München-Wahlen da. Dinge wie „Wir brauchen eine Polizei“ und „Wir müssen unabhängiger von Zentral MiMü werden“ erinnerten mich schon ziemlich an die „echte“ Politik. Darüber hinaus erwies sich manch eine Mini-Münchner Einrichtung als besser organisiert als das reale „große“ Vorbild. Und weil man ab 3.000 Euro eine Straße bekommt, legte ich auf die festgelegte Spendensumme noch was drauf, und da war sie: die

Straße der Kultur

Wer junge Menschen kennt, die Mini-München noch nicht kennen: im Hinblick auf nächstes Jahr weitersagen, hingehen! Ob Teilnehmer*in, Volontär*in oder erwachsener Zaungast wie ich:

Mini-München ist ein Erlebnis, das bleibt.

Ein Klick auf die Bilder führt zu meinen Eindrücken und den Geschichten, die hinter dem jeweiligen Bild stecken. Mit Pfeiltasten kannst Du Dich dann durch alle Geschichten klicken.


Fotocredit und danke für die fotografische Begleitung an Chris Mueller eyeamchris.com

Sanne im Interview zum Konzerthaus München

Nach 20 Jahren langwieriger Debatten soll München ein Konzerthaus bekommen. Wie wird es sich auf die kreative Szene in München auswirken, taugt das „Leuchtturm-Konzept“ der Staatsregierung und wie sieht überhaupt das künstlerische Konzept aus? Im Rahmen ihrer Masterarbeit sprach ich mit der Studentin Julia Strasser über den neuen Konzertsaal Bayerns in München. Hier das Interview vom 12. August 2020 in gekürzter Form.

Julia Strasser: Wir werden heute über den Bau des neuen Konzerthauses sprechen. Der war ja schon lange geplant, die Planung lief, inzwischen glaube ich, läuft sie seit 20 Jahren. Und dann kam 2020 die Corona-Pandemie und hat wieder einige Pläne umgeworfen. Wie sehen Sie denn diesen Neubau des Konzerthauses jetzt vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie?

Sanne Kurz: Ich glaube, dass die Dinge, die gerade diskutiert werden oder vielleicht werden müssten überhaupt nichts mit der Pandemie zu tun haben. Wir hatten eine Situation, dass der Bayerische Landtag letzten Sommer – also 2019 – hätte erste belastbare Zahlen bekommen sollen. Das ist nicht passiert. Und dann war es der Fall, dass auf der CSU-Klausur der Ministerpräsident Söder plötzlich von einer Machbarkeitsstudie, von Holzbau sprach. Das war lange, lange, lange vor der Corona-Pandemie. Das war Anfang Januar 2020, und eine Machbarkeitsstudie macht man normalerweise ja bevor man einen Bau in Auftrag gibt. Deshalb sehe ich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie überhaupt keinen Gesprächsbedarf. Es gibt aber natürlich generellen Gesprächsbedarf, der aber mit der Corona-Pandemie überhaupt nichts zu tun hat. Ich glaube, dass die Argumente „Corona-Pandemie“ vorgeschoben sind.

J. Strasser: Wo Sie gerade die Machbarkeitsstudie angesprochen haben: Soweit ich weiß, ist diese Idee des Holzbaus wegen einer Nachhaltigkeitsüberlegung entstanden. Die wurde aber inzwischen schon wieder verworfen. Das heißt, diese Machbarkeitsstudie, ist die schon wieder abgeschlossen inzwischen? Gibt es da für Sie neue Erkenntnisse daraus?

Die Machbarkeitsstudie hat mit dem Holzbau-Wunsch von Markus Söder wohl gar nichts zu tun gehabt. Ich war da nicht dabei, als er sprach. Aber das, was man sozusagen der Presse entnehmen konnte, war, dass er sich Holz wünscht. Und das, was mit der Machbarkeitsstudie zu tun hat, das deutete eher darauf hin, dass man den Bayerischen Landtag als die Institution, die Haushaltsmittel ja freigeben muss, langsam darauf vorbereitet, dass es teurer werden könnte.

J. Strasser: Und Sie haben gerade von einem generellen Gesprächsbedarf gesprochen. Was sind denn die Punkte, die Sie kritisch sehen an dem Bau?

Es geht gar nicht um kritisch oder nicht kritisch. Der Punkt ist, dass uns letzten Sommer – also 2019 – Zahlen versprochen wurden. Wir Grüne haben dann auch nach den besorgniserregenden Worten des Ministerpräsidenten auf der Januar-Klausur einen Berichtsantrag gestellt und einen umfangreichen Bericht gefordert. Wir haben jetzt Mitte August 2020, und es sind immer noch gar keine Zahlen da. Ja, wir fürchten einfach, dass es wieder so kommt wie beim Deutschen Museum, wie bei anderen Bauten, dass man in so einer Salamitaktik ganz bewusst Dinge erst einmal als preiswert in die Runde gibt, und dann so scheibchenweise die wahren Fakten auf den Tisch legt. Und das geht natürlich so überhaupt nicht, wenn man mit öffentlichen Mitteln arbeitet.

J. Strasser: Kommen wir mal zu den inhaltlichen Vorhaben. Der Bau des Konzerthauses wird momentan mit den Schwerpunkten Digitalisierung, Musikvermittlung, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit kommuniziert. Wie sehen Sie denn diese vier Säulen in der späteren Umsetzung in München?

Ich fange jetzt mal hinten an, bei der Nachhaltigkeit. Wir hatten gerade erst ans Ministerium geschrieben, weil wir gerne eine BNB-Zertifizierung hätten. Das ist ein Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen, wo man z.B. cradle to cradle, also sozusagen von der Schöpfung der Ressourcen über die ganzen Lieferketten über eine bestimmte Nutzungsdauer eines Gebäudes ein Zertifikat vergibt für Nachhaltigkeit. Das Problem ist, dadurch, dass es ein Sonderbau ist geht das nicht so einfach. Aber ich erwarte dann, dass man, wenn man sowas hat und wirklich Nachhaltigkeit so wahnsinnig wichtig ist, dass man sich zum Beispiel auf Bundesebene dafür einsetzt, dass man für Sonderbauten auch ein Zertifizierungssystem findet oder teil-zertifiziert.

J. Strasser: Und dieses Zertifizierungssystem dient quasi dazu, auch wieder eine Art von Transparenz und auch diese Nachhaltigkeit nachvollziehbar zu machen, oder?

Ganz genau. Das ist so ähnlich wie mit Biosiegeln. Es gibt da bestimmte Standards, die kann man alle nachlesen. Mit einem Zertifikat ist alles klar, transparent und nachvollziehbar. Deshalb wäre es wichtig, dass sich die Staatsregierung dafür einsetzt, dass es solche Zertifikate auch für Sonderbauten gibt.

J. Strasser: Das wäre das Thema Nachhaltigkeit. Sie dürfen sich gerne (lacht) das zweite Thema aussuchen.

Die Musikvermittlung ist was, was tatsächlich der Bayerische Landtag in dieses Konzerthaus hinein verhandelt hat. Es hieß am Anfang, wir wollen ein Konzerthaus, weil wir einen Leuchtturm brauchen, und es gibt eben in ganz Bayern nichts. Und dann hat der Bayerische Landtag gesagt, ja das kostet aber sehr, sehr viel. Es muss was sein, wo man tatsächlich sehr inklusiv an Leute rangeht, wo man viele Schichten der Bevölkerung erreicht. Also auch ein Mittelschüler aus Deggendorf, dessen Eltern zahlen auch Steuern und auch eine junge, alleinerziehende Mutter aus Pasing, auch die zahlt Steuern. Und deshalb muss es für die auch ein Angebot geben. Und das Angebot kann nicht sein, hier ist RTL II, da, bitteschön. Sondern das Angebot muss sich natürlich auch in Bereichen der klassischen Musik, der E-Musik bewegen.

Vermittlung – da sind auch die Orchester sehr erfolgreich. Allerdings muss man da tatsächlich auch die Leute empowern und enablen, dass sie das umsetzen. Dieses Gebäude ist geplant mit wirklich fantastischen Räumlichkeiten für Education. Es ist in der Nähe ein Hostel geplant, was wir immer gefordert haben, sodass auch aus ganz Bayern auch junge Menschen preiswert unterkommen können oder auch ältere Menschen preiswert unterkommen können. Ja, weil kulturelle Bildung ist ja nicht nur für die unter 20-Jährigen da, sondern kulturelle Bildung ist für alle Menschen da und Musikvermittlung ist auch für alle Menschen da. Und wenn es dann diese Voraussetzung gibt, dann muss man natürlich auch die Akteurinnen und Akteure, ja, da muss man es denen auch ermöglichen, dass sie das auch leisten können. Hat man einen festen Personalstab im Orchestermanagement von 18 Planstellen, ist das wenig. Wenn man das vergleicht mit anderen großen Orchestern, dann ist das ein Witz. Und es ist auch noch überhaupt keine künstlerische Leitung und keine Trägerform für das Konzerthaus da. Das halte ich für ein großes Problem, weil noch gar nicht klar ist, wie und in welcher Form welche Orchester da jetzt überhaupt spielen werden und sollen.

Die Barrierefreiheit, das ist heute eigentlich fast selbstverständlich. Das Problem ist eher, wenn ich schaue, was Dinge kosten. Es gibt überhaupt keine Bereitwilligkeit auf Seiten der Staatsregierung, dass man Kulturangebote auf einer breiten Ebene kostenfrei macht. Ich denke bei Barrierefreiheit nicht nur an Menschen mit Behinderung und an die UN-Behindertenrechtskonvention. Ich denke bei Barrierefreiheit auch an soziale Teilhabe.

J. Strasser: Inklusion, generell?

Ja genau. Und für mich beinhaltet Inklusion eben auch soziale Teilhabe. Das muss auch zugänglich sein für ärmere Menschen. Wenn das ein High Class-Luxus-Konsumtempel mit schicker E-Musik wird, dann werden sich da ärmere Menschen gar nicht hintrauen, weil sie nämlich das Gefühl haben, sie werden einfach komisch angeguckt. Der Gasteig zum Beispiel ist ein ganz offenes Haus. Da gehen Kinder aus ärmeren Familien, Jugendliche, hin, um zum Beispiel zu lernen, wenn sie zu Hause kein eigenes Zimmer haben, wo sie lernen können. Das heißt für mich hat Barrierefreiheit auch ganz viel damit zu tun, wie das gelingen wird, wirklich diese Offenheit auszustrahlen. Es ist ganz gut geglückt, zum Beispiel, im Haus der bayerischen Geschichte, wo man erstmals eine Kostenfreiheit überhaupt mal gemacht hat. Die anderen Standards, da gehe ich fest davon aus, dass das eingehalten wird. Zur Barrierefreiheit, da gibt es ja auch gesetzliche Vorschriften. Aber für die soziale Barrierefreiheit, die soziale Teilhabe, da gibt es noch keine gesetzlichen Vorschriften.

J. Strasser: Dann bleibt noch der Punkt Digitalisierung.

Da hat man uns in dem Bericht überhaupt nichts zu berichtet. Das Einzige, was ein bisschen digital ist, aber was auch analog geht, ist, dass es Raum geben soll für Sound Art, was ich total wichtig finde. Es gibt nämlich noch gar kein Museum für Sound Art in ganz Bayern, es gibt da keine Räume für wo die Menschen zusammenkommen können. Ansonsten hat man nichts zu einer Digitalisierungsstrategie in irgendeiner Form erzählt.

J. Strasser: Dann würde ich jetzt das Thema wechseln und zu München kommen, als kreative Stadt. Beziehungsweise erst mal die Frage in den Raum stellen, ob Sie München als kreative Stadt überhaupt sehen würden, beziehungsweise was Sie da momentan sehen an Kreativität, und wie sich der Bau des neuen Konzerthauses auf diese kreative Szene auswirken könnte.

Ich bin ja ursprünglich Pfälzerin, komme aus der schönen Pfalz am Rhein. Ich komme aus einer kleinen Weinbau-Gemeinde, in der Außenansicht gehörte München da für mich nie zu den kreativen Hotspots der Republik. Als ich dann in München wohnte hat sich das natürlich verschoben. Was ich in München als junge Studentin an der Filmhochschule immer vermisst habe, war eine sehr lebendige Subkultur. Inzwischen habe ich länger in Melbourne gewohnt, was ich als extrem kreative Stadt beschreiben würde. Da gibt es ganz viel, was sich dort Fringe nennt, was hier vielleicht am ehesten mit Freie Szene beschreibbar wäre. Die öffentliche Hand unterstützt das auch, aber es gibt einfach wahnsinnig viele Freiräume, die man gestalten kann.

Zeitliche Freiräume, örtliche Freiräume und auch Menschen, also Ressourcen, mit denen man arbeiten kann und die auch Lust haben sowas anzunehmen. Als ich dann zurückkam, hatte ich das Gefühl, in München ist doch einiges los. Da gab es dann die ganzen Kasernen, die auf einmal umgenutzt wurden, das Kreativquartier… Ich habe das Gefühl, München ist eine kreative Stadt. Ich hoffe sehr, dass die freie Szene dieses Konzerthaus annehmen wird. Ich glaube, das kann gelingen, wenn man jetzt schon, also es gab ja große Bestrebungen, die Hochschule für Musik und Theater einzubeziehen. Man hat jetzt in der Corona-Pandemie im Ministerium für Wissenschaft und Kunst erst gemerkt, dass man keine Ansprechperson für die Freie Szene hat. Man hat jetzt versprochen, dass man eine solche Ansprechpersonen installiert. Bis die dann auch da ist, das kann dauern, und es müsste tatsächlich jetzt einen Austausch geben mit der freien Szene in München, im Musikbereich, im performativen Bereich, im Sound Art-Bereich, um zu schauen, was haben die denn für Bedarfe, damit das auch für die passt und damit es auch deren Zuhause wird.

J. Strasser: Abseits vom Werksviertel, wie wird der Konzertsaal in München dann sich auswirken oder sich präsentieren?

Das ist die große Frage, denn wir haben in München ja bald noch einen schönen neuen Gasteig, und wir haben ein Interimsgebäude, was hoffentlich auch sehr schön wird, und dann haben wir vielleicht noch eine Paketposthalle, wo auch ein Veranstalter von Kulturveranstaltungen gerne E-Konzerte machen möchte und Kultur anbieten möchte. Also das heißt, wir haben irgendwann hier jede Menge Konzertsäle. Manche sprechen bereits von einem Überangebot. Ich sehe das Konzerthaus jetzt gar nicht so sehr als Konzertsaal, sondern das ist ja ein achtstöckiges Monster-Ding, wo einfach wahnsinnig viel noch mit zusätzlich drinsteckt. Das ist so ein bisschen eine Spaceship-Musikschule, könnte man sagen. Ich glaube, ich habe das ja vorhin schon gesagt, dass man ganz, ganz dringend mit Maß und Ziel, schauen muss, wie man das denn jetzt umsetzt, weil ich bin gar kein Freund davon, der sagt, immer einfach die Schleusen auf und raus mit dem Geld. Sondern ich glaube, das muss natürlich auch alles einen Zweck haben. Ich glaube, wie gesagt, wenn wir es nicht machen, wenn wir das Konzerthaus nicht bauen, dann ist das Geld für etwas anderes weg. Ich glaube, es ist sinnvoller zu schauen, dass wenn man schon dieses große Angebot hat, dass man dann auf verschiedene Zielgruppen geht.

J. Strasser: Dann noch eine große Frage: Sie haben ja vorher das kulturelle Leuchtturmprojekt, diesen Namen, schon genannt. Was, denken Sie, qualifiziert den Bau als kulturelles Leuchtturmprojekt? Und, Sie haben es ja vorher durchaus schon kritisch betrachtet, braucht es überhaupt einen kulturellen Leuchtturm tatsächlich?

Also ich bin überhaupt kein Fan von Leuchttürmen. Ich bin ein Fan von Netzen die man auswirft. Ich bin ein Fan von Weitblick, ich bin ein Fan von Outreach. Und dieses Leuchtturm, das hat für mich so was Singuläres, Unerreichbares. Also wenn ich auf einer einsamen Insel wohne, dann kann ich vielleicht mich an einem Netz festhalten, was da ausgeworfen wird, aber diesen Leuchtturm, den ich da in der Ferne sehe, den werde ich niemals erreichen, wenn es da keine Angebote und keine Möglichkeiten gibt. Deshalb, ich stehe Leuchttürmen sehr kritisch gegenüber. Warum ist das jetzt ein Leuchtturmprojekt? Weil wir eine Staatsregierung haben, die das total findet, Leuchtturmprojekte zu machen.

J. Strasser: (Lacht) Ok.

Also, es gibt ja diesen Kunstförderpreis des Freistaat Bayern. Und da haben wir eine Staatsregierung, die da den Ministerpräsidenten länger reden lässt, als alle Künstlerinnen und Künstler zusammen. Und der sich da vorne hinstellt und sagt: „Wir haben ja ein Museumsviertel, wo auf so kleinem Raum pro Quadratmeter mehr Kunstwerke als auf der ganzen Welt, mehr als in New York, mehr als in Paris“. Ja, und dann zählt er halt mal die Städte auf, die er so ein bisschen kennt, wo er schon mal davon gehört hat, dass es da vielleicht Kunst geben könnte. Und dann schließt er seine Rede mit: „Aber wissen wir eigentlich wie toll wir sind? Wissen wir wie großartig wir sind? Brauchen wir nicht eine bayerische documenta?“

Wenn jemand sowas sagt, dann hat er überhaupt nicht verstanden, wie es den Künstlerinnen und Künstlern in Bayern geht, mit was sie zu kämpfen haben, mit Leerständen im Fichtelgebirge, mit Raumnot in den Zentren, mit mangelnder Vernetzung, Stadt-Land, mit Leuten, die gar nicht ins Konzert kommen können, weil es nämlich abends überhaupt keine Möglichkeit mehr gibt, hineinzukommen. Mit einer Fläche, die total ausgetrocknet ist, wo es keine Musikschule mehr gibt und nichts.

Mit einer kulturellen Bildung, die im ganzen Freistaat keine gebündelte Ansprechperson in der gesamten Staatsregierung hat. Also man will da Musikvermittlung machen, aber es gibt für den gesamten Bereich der kulturellen Bildung, egal ob Musik, egal ob Kunst, Kultur, Performance, Tanz, Theater, egal was, es gibt in der ganzen Staatsregierung keine koordinierte Stelle, wo kulturelle Bildung zusammenläuft. Ja, also so läuft es hier und da brauche ich kein Leuchtturmprojekt. Da muss ich erst mal Basisarbeit machen. Das finde ich viel, viel wichtiger.

In der Vergangenheit gab es ja schon große Würfe mancherorts, wo man wirklich es geschafft hat, auch mal mutige Schritte zu gehen. Ich glaube zum Beispiel damals, die Berufung von Okwui Enwezor war ein sehr, sehr mutiger Schritt. Vielleicht gibt es auch schon Leute, die im Gespräch sind. Ich wünsche mir auch sehr, dass auch das Finden der künstlerischen Leitung ein transparenter Vorgang ist. Dass es da eine sehr, sehr kompetente Findungskommission geben wird und nicht sich irgendein Minister oder eine Ministerin von irgendwelchen Sachbearbeitungen einen Katalog von den letzten zwanzig Leuten, die schon mal ein Konzerthaus geführt haben hinlegen lässt. Also im Haus der Kunst haben sie das mit Lissoni wirklich sehr gut gemacht. Da hat eine Findungskommission, eine Experten-Kommission vorgeschlagen, die haben dann recherchiert. Also, das war extrem transparent, gut mit der Öffentlichkeit kommuniziert, und sowas wünsche ich mir auch für das Konzerthaus. Das hätte es wirklich verdient.

J. Strasser: Dann vielen Dank für das Gespräch. Und dann sind wir mal gespannt, wie es weitergeht mit dem Neubau des Konzerthauses.


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