Schlagwortarchiv für: Medien

„Kleine Anfrage“ – AzP „Diversität in Film und Medien“

Ich frage die Staatsregierung, wie bewertet die Staatsregierung die Relevanz von Inklusion und Repräsentation marginalisierter Gruppen im Bereich Film und Medien insbesondere mit Blick auf die „Representation and Inclusion Standards“ für mehr Diversität der Academy Awards (Oscars), welche Haushaltsmittel sind dem Auf- und Ausbau von Ermöglichungsstrukturen direkt oder indirekt unter Berücksichtigung der fünf „Pʹs (Publikum, Personal, Programm, PR und Partner) zugeordnet (mit Ermöglichungsstrukturen sind alle Maßnahmen gemeint, die dem Zweck dienen, marginalisierten Gruppen einen Chancenausgleich zu verschaffen, bitte mit Angabe der jeweiligen Titelgruppe, Summe der Maßnahme, mit dem Thema befasste Stellen), und welche Maßnahmen plant die Staatsregierung derzeit, um die Sichtbarkeit und Repräsentation marginalisierter Gruppen in Film und Medien auf ein internationales Niveau zu bringen (bitte mit Angabe der aufwendeten Mittel pro Maßnahme)?

Hier geht’s zur Antwort:

Deborah Williams in München bei: Vielfalt im Film! Warum Diversität unsere Filmlandschaft reicher macht.

Die Academy Awards haben sich Diversitäts-Standards gegeben. Bei uns finden sich in Film & TV immer noch viele Stereotype und weniger Inklusives und Diverses. Das sagen Menschen, die sich schon lange für mehr Diversität einsetzen, das zeigen aber auch Studien, wie die von den bayerischen Landtags-Grünen mitfinanzierte Untersuchung „Vielfalt im Film“. Den Oscar® für den Hauptpreis „Bester Film“ bei den Academy Awards gibt es schon ab 2024 nur noch mit Diversität als Standard. Wie kommen wir – vor und hinter der Kamera, bei Publikum und Inhalten – zu einer echten Vielfalt? Eine Diskussion mit Förderinstitutionen, Sendern und Kreativen.

27. Juni 2022, 17:30 Uhr – 21:00 Uhr
Goldberg Studios (Müllerstr. 46 a, 80469 München)

Keynote: Deborah Williams (Executive Director Creative Diversity Network, London)
Science Summary: Prof.Dr. Elizabeth Prommer (Institut für Medienforschung, Universität Rostock)

Panel:

Ein öffentlicher, barrierefreier Zugang ist gewährleistet. Die Veranstaltung wird begleitet von Gebärdenübersetzung und einer Simultanübersetzung Englisch-Deutsch.

Ich freue mich sehr, durch den Abend zu führen und zu moderieren, auf eine spannende Diskussionsrunde, die uns allen neue Perspektiven zeigt und zur öffentlichen Debatte beisteuert, und vor allem: auf Euch!

Weiterlesen:

Heinrich Böll Stiftung: Podcast Böll.Fokus zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk

Damit Rundfunk unabhängig und frei von Partikularinteressen und Quotendruck funktionieren kann, wurde in Deutschland nach 1945 ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem etabliert. Wir alle finanzieren es mit Gebühren. Gemeinsam stellen wir auch sicher, dass weder Staat noch Regierungen noch Parlamente oder Politik Einfluss auf unseren Öffentlich-Rechtlichen nehmen können: mit Kontrollgremien, die unseren Öffentlich-Rechtlichen kontrollieren. Der Podcast Böll.Fokus zum Thema.

Ich sitze seit 2019 im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks. Dorthin entsendete mich der Bayerische Landtag. Das tut er, weil so nicht nur gesellschaftliche Interessensgruppen, sondern auch von allen Wahlberechtigten in Bayern gewählte Personen im Kontrollgremium des BR sitzen.

Als Rundfunkrätin des BR und Medienpolitikerin war ich im Frühjahr 2022 von der Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen worden, bei der Fachtagung Medienstaatsvertrag: Rundfunk- & Fernsehräte vor neuen Herausforderungen dabei zu sein.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Rundfunk- und Fernsehräte? Was brauchen sie? Das waren nur einige der Fragen, denen sich der Fachtag der Heinrich-Böll-Stiftung widmete. Eine Zusammenfassung als Text kann man in diesem Interview „Medienstaatsvertrag: Rundfunk- & Fernsehräte vor neuen Herausforderungen lesen.

Am 14. Juni 2022 widmet sich darüber hinaus die neue Ausgabe des Podcasts Böll.Fokus dem Thema Kontrollgremien der Öffentlich-Rechtlichen. Hier könnt Ihr Böll.Fokus hören:

„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist einzigartig. Er ist politisch unabhängig und staatsfern. Er hat einen Auftrag, nämlich ausgewogen und umfassend zu informieren und den Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, ihre eigene Meinung zu bilden. Ob der Auftrag erfüllt wird, das kontrollieren die Rundfunk- und Fernsehräte.“ – So kündigt die Heinrich-Böll-Stiftung ihren aktuellen Podcast an.

Mit dabei:

  • Philipp Franke, Referatsleiter Medienpolitik Staatsministerium Baden-Württemberg
  • Sanne Kurz, Grüne Abgeordnete Bayern Landtag, Rundfunkrätin Bayerischer Rundfunk BR
  • Hermann Kuhn, Vorsitzender ARD-Programm-Beirat
  • Beate Bäumer, ZDF-Fernsehrätin, Leiterin Katholisches Instituts Erzbistum Hamburg
  • Oliver Passek, Dozent Hochschule für Medien Stuttgart, ehemals Mitglied ZDF-Fernsehrat
  • Christine Horz-Ishak, Kommunikationswissenschaftlerin, Professorin Universität Köln
  • Olaf Steenfadt, Initiative „Unsere Medien“
  • Normann Schuhmann, Initiative „Klima vor acht“

Entwurf des neuen Medienstaatsvertrags oder Weiterführende zum Thema Lesen? Links zum Thema und zum Podcast direkt auf der Böll.Fokus Seite!

Queere Repräsentanz in Film und Medien? – Zu Gast bei Radio Lora München

Wer kennt ihn nicht, den klischeehaft-schwulen Filmcharakter, der in Filmen aller Art den lustigen besten Freund der weiblichen Hauptperson darstellt. Queere Menschen werden in Film und Medien, wenn überhaupt, leider auch heute noch überwiegend in Klischeerollen abgebildet, oft kommen sie überhaupt nur dann vor, wenn das Queer-Sein problematisiert wird. Wieso sich das alles unbedingt ändern muss – darüber und vieles mehr habe ich diese Woche mit Constantin Jahn und Karin Uecker gesprochen. Ich war zu Gast bei QueerUferlos, dem Queeren Sender von Radio Lora 92,4 München.

Hier gibt es die Sendung zum Nachhören.

Es geht um Schubladendenken, um die fehlende Sichtbarkeit queerer Menschen in Film und Medien, die Ignoranz der Bayerischen Staatsregierung gegenüber queerem Leben in Bayern und darüber, wieso eine Queer-Vertretung im Bayerischen Rundfunkrat so wichtig wäre. Hört rein!

Ich habe mich sehr gefreut, Teil der Sendung sein zu dürfen. Radio Lora 92,4 ist immer einen Besuch wert und QueerUferlos sowie queere Sichtbarkeit in Film und Medien zu unterstützen sind mir zwei echte Herzensanliegen!

Wer sich für Queer-Politik und Diversität interessiert, kann hier alles zu meiner Arbeit im Bereich Diversity lesen.

Diversität – warum öffentliche Mittel für alle Teile der Gesellschaft da sein sollen

Was gilt für die Oscars® ab 2024? Was verbindet Schleswig-Holstein und die Schweiz? Überall dort gilt: Preise wie bei den Academy Awards oder öffentliche Mittel bei der Förderung wie in Schleswig-Holstein und die Schweiz bekommt nur, wer sich für Diversität stark macht.

„Kulturbetriebe, die überleben wollen, müssen sich öffnen“ meint schon 2019 das Schweizer Fernsehen in seinem Bericht zu Diversität in Kultur und Medien. Noch deutlicher wird ProHelvetia, die Schweizer Kulturstiftung. Sie hat klare Ziele formuliert für die fünf Jahresperiode 2021 bis 2024:

Ziele 2021-2024

  • Kulturinstitutionen bei der Entwicklung von diversitätsorientierten Prozessen fördern und aktiv begleiten
  • Zugangsbarrieren zum Kulturbetrieb sowie zu Fördermöglichkeiten für Kulturschaffende aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen abbauen
  • Wissenstransfer rund um Diversität und Chancengleichheit fördern und praxisorientierte Leitfäden für den Kulturbetrieb zur Verfügung stellen
  • Daten und Fakten zur Diversität im Schweizer Kulturbetrieb erheben und vermitteln

Diversität

Die Bekenntnis zur Vielfalt ist nicht nur bei den Eidgenossen in unmittelbarer Nachbarschaft Bayerns angekommen, sondern auch 1000km weiter nördlich. Diversität ist dort in Schleswig-Holstein ein politisches Schwerpunktthema der Landesregierung. In ihrem Landes-Kulturbericht für die Jahre 2017-2021 des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Jamaika-Koalition nennt als wichtigen Teil zukunftsorientierter Kulturentwicklung die Diversität, die Filmförderung MOIN Hamburg-Schleswig-Holstein hat mit der Erkenntnis „Gute und erfolgreiche Filme kommen ohne Klischees und stereotype Rollenbilder aus.“ eine Diversity-Checklist eingeführt. Es lohnt, sie anzuschauen!

Die Diversity Checklist tut niemanden weh und sensibilisiert massiv. Diversität in Geschichten und Inhalten, Rollenbildern und Besetzung, Team und Führungspositionen sowie Publishing ist anders als in der Schweiz keine Voraussetzung von Förderung, aber bringt Diversitätsprozesse, Chancengleichheit und Geschlechtergleichstellung mehr voran als: nichts!

Genau. So viel leistet Bayern nämlich, um Diversität in Kultur und Medien voran zu bringen und Marginalisierung ganzer gesellschaftlicher Gruppen entgegen zu wirken: nichts. Ja, liebe CSU-FW-Staatsregierung: es müsste noch nicht mal die Verpflichtung zur Diversität sein. Auch Babyschrittchen würden helfen.

Weltspitze

Wenn man wie Markus Söder immer Weltspitze sein will, muss man sich übrigens auch bei Diversität sputen. Denn bei den Oscars®, den Academy Awards, gibt es schon bald keinen Preis mehr ohne – genau: Diversität.

Representation and inclusion standards for Best Picture eligibility Oscars

Wenn Markus Söder findet, man brauche Bayerische Oscars®, und wenn er kapiert, dass das dann ganz viel mit Diversität zu tun haben sollte, soll es mir recht sein. Natürlich sollte aber Diversität nicht gelebt werden, weil es gerade schick oder trendy ist. Diversität als gelebte Vielfalt zeigt alle Facetten von Heterogenität, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit, Mannigfaltigkeit und kulturellem Reichtum. Die Bezeichnung Diversität rückt dabei die Anerkennung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Menschen in den Fokus – ohne zu werten. Wir Grüne sind uns sicher, dass Diversität unsere Gesellschaft reicher und resilienter macht.

Diversität betrachten wir nicht nur, aber auch hinsichtlich Kriterien wie Ethnie, soziale/geografische/wirtschaftliche… Herkunft, Geschlecht und sexuelle Identität, Alter, Sprache, soziale Stellung, sexuelle Orientierung, Stadt/Land, arm/reich, religiöse/weltanschauliche/politische Haltung, Bildungshintergründe und Bildungswege, Elternschaft/Kinderlosigkeit oder körperliche/geistige/psychische Beeinträchtigung und vieles andere mehr.


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Interview mit ProQuote Film: Gamechanger – Sanne Kurz

12.11.2021

ProQuote Film setzt sich für mehr Diversität in der Film- und Medienbranche ein und kämpft für die gleiche Verteilung von Mitteln und den Einsatz von mehr Frauen* vor und hinter der Kamera. ProQuote Film hat mich für die Interviewreihe „Gamechanger“ eingeladen, wo ich über das Frausein in der Filmbranche erzählte und warum eine Frauenquote wichtig ist.

Nur 30 Prozent der Sitze im Rundfunkrat des BR, in dem ich Mitglied bin, sind von Frauen besetzt. Hier wird mal wieder deutlich, wie wichtig die Stärkung der Repräsentation von Frauen* in der Medienwelt ist – nicht zuletzt weil genau hier Vorbilder für junge Frauen entstehen.

ProQuote Film ist die Stimme der Filmschaffenden in Deutschland, die sich für Geschlechtergerechtigkeit engagieren wollen. Die NGO organisiert für diesen Zweck beispielsweise den „Quotenkongress Womxn for Womxn“, bei dem ich zu Gast auf dem Panel „Pro Quote. Systemfehler Männerquote“ sein durfte. Besonders gefreut hat mich die Interviewanfrage von ProQuote Film. Ich bin schon sehr lange Mitglied, war als Filmemacherin dabei und kämpfe jetzt in Rundfunkrat und Bayerischem Landtag weiter für Gleichstellung in Film und Medien. Einen Einblick in diesen Weg von mir als Frau, als Mutter, als Filmemacherin und Politikerin teilen zu dürfen, war mir eine große Ehre. Die Gamechanger Interviews sind alle super lesenswert, wie ich finde – reinklicken lohnt.

Hier findet ihr den Link zu meinem Interview aus der Serie Gamechanger:

Programm oder Finanzen?! Überlegungen zu Doppelspitzen und der Patt-Situation bei der Wahl der HR-Intendanz

Patt! 16:16 in drei geheimen Wahlgängen um die Neubesetzung der Intendanz des Hessischen Rundfunks – HR. Wer je Rundfunkratsmitglied war oder auch nur einem nahestand, weiß, dass jetzt die Drähte heißglühen und die Handys nicht mehr stillstehen. Alle, die eine Nummer greifbar haben von wem, der jemand kennt, der eine kennt, die im Rundfunkrat des HR sitzt, werden zum Telefon greifen und versuchen ihre – selbstverständlich perfekte, hilfreiche und wichtige – Meinung pro Florian Hager oder pro Stephanie Weber noch rasch kund zu tun. Ich habe da natürlich auch einen Hinweis für die Findungskommission und die Wahlberechtigten: Doppelspitze!

Wenn es um die Neubesetzung von Führungspositionen geht, liest man meist von „Machtkampf“, „harter Entscheidung“ und natürlich dem „Sieger“ respektive der „Siegerin“. Dieses Wording impliziert, dass Führung unter einer einzigen Person quasi ein Naturgesetz ist, Gott gegeben, alleinige, beste Lösung und durch nichts zu erschüttern. Bei mir persönlich kommen da Fragezeichen auf. Wer sagt denn, dass es immer eine einzelne Führungspersönlichkeit geben muss? „Der Programm-Mann tritt gegen die Zahlen-Frau an. Eigentlich bräuchte der HR beide“ schrieb die SZ. Das sehe ich auch so. Warum eigentlich sollte der Hessische Rundfunk HR denn nicht beide haben?

Zwei sehr gute Führungspersönlichkeiten, die beide gebraucht werden

In den letzten Jahren nahmen an immer mehr Theatern Doppelspitzen in der Intendanz die Arbeit auf, die Berlinale hat eine Doppelspitze, die DFFB ebenso. Oft tut das gut, balanciert Machtmissbraucht, macht Führung demokratisch. In Auch große Unternehmen probierten sich immer wieder in Doppelspitzen: Oracle, SAP, Salesforce, Nitendo um nur einige zu nennen. Doppelspitzen sind keineswegs eine Erfindung der Neuzeit:

Die Germanen kannten das Doppelkönigtum, noch früher dran waren die Römer mit den sich gegenseitig kontrollierenden Konsuln der römischen Republik oder die Doppelkaiser Lucius Verus und Marc Aurel., überall als „Mitkaiser“ geführt. Auch anderswo in der Welt lebte man geteilte Führung, wie bei den Chasaren teilten die Königswürde des Khagan Bek auf eine religiös-spirituelle Führung, den Khangan mit begrenzten Vollmachten, und den Bek, die Führung für Verwaltung und Armee, auf.

Gemeinsam führen ist keine Neuigkeit

Auch in der politischen Neuzeit gab und gibt es gemeinsame Führung: nachdem wir Grüne seit bereits einem knappen halben Jahrhundert beweisen, dass Doppelspitzen funktionieren, hatte sich auch die SPD nach langer Selbstzerfleischung eine Doppelspitze verordnet und siehe da: wurde trotz?, dank? aber in jedem Fall mit Doppelspitze Kanzler. – Dabei will ich gemeinsame Führung keineswegs idealisieren (schon gar nicht in der SPD) oder als einfach darstellen. Wie alles in der Welt hat singuläre Führung ebenso wie gemeinsame Führung vor- und Nachteile. Um sie zu erahnen, muss man noch nicht einmal Führungskraft sein: Wer je demokratisch und gleichberechtigt gemeinsam mit seiner Familie versucht hat, Ferien zu planen, die alle glücklich machen, weiß, dass gemeinsam entscheiden, Finanzen verwalten und Verantwortung tragen keineswegs eine leichte Aufgabe ist.

Mir geht es darum, einen Gedankenraum aufzustoßen: Angesichts großer und dringlicher Aufgaben sollten wir alle uns fragen, ob gemeinsame Führung heutzutage noch generell abgelehnt werden sollte, oder auch Chancen bieten kann. Wenn es zwei sehr gute, sehr geeignete Kandidierende gibt – vielleicht braucht man beide? In der Tat ist es so, dass Krisen und der Bedarf nach breit aufgestellten Führungskräften oft der Grund für gemeinsame Führung waren. Ein bestehendes Modell hatte sich überlebt. Die eine Lösung zur Nachfolge gab es nicht, unterschiedliche Talente und Persönlichkeiten, die sich Ergänzung und Reibungsfläche bieten, waren gefragt, um wie ein Katalysator zu etwas zu kommen, was größer war als die Summe der einzelnen Teile.

Mehr als die Summe der beiden Teile

So bekam Oracle 2014 bis zum Tod von Mark Hurd eine Doppelspitze, nachdem der Oracle Gründer die Unternehmensleitung nach 37 Jahren abgab. Auch bei der dffb kam die Doppelspitze nach einem Skandal um den ehemaligen Leiter, nach dem zweiten Weltkrieg sorgten in Bayern 1945 eine Doppelspitze von Staatsräten im von den Nazis komplett umgebauten Kultusbereich für einen Neuanfang. Im Vergleich dazu stehen die Landesrundfunkanstalten doch relativ gut da. Trotzdem stehen wir vor einer Situation wo vielleicht mehr zu tun ist, als ein Mensch leisten kann, oder?

Doppelspitzen erfordern Mühe, Arbeit und Disziplin: klare Aufgabenteilung, geregelte Verantwortungsbereiche, enge Abstimmung, tiefes Vertrauen, persönliche Größe und den Blick aufs gemeinsame Ganze stärker als den Blick auf das eigene Ego. Die Herren Söder/Laschet beispielsweise hätten wohl keine gute Doppelspitze abgegeben. Und ja, Doppelspitzen können zu Fehlentscheidungen kommen – freilich. Aber sind Konzerne mit singulärer Führung davor gefeit? Eine sehr gute Führungspersönlichkeit ist nie wie die andere sehr gute Führungspersönlichkeit. Was, wenn beide sich ergänzen, befruchten und dort, wo sie in unterschiedliche Richtungen tendieren, den Spagat des Ausgleichs schaffen, der leider so oft fehlt? Unsere heutige, tief zerklüftete und auseinanderdriftende Gesellschaft könnte Doppelspitzen mehr vertragen, denn je. Das gilt auch und gerade für unseren Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, der für alle – alle! – Programm machen soll, dabei möglichst nichts kosten und sich für eine glorreiche Zukunft gut aufstellen.

Wenn ich fantastisches Programm mag, Frauen in Führung stärken will, Teamplay wichtig finde und eine eher progressive Haltung habe, wünsche ich mir eine eben solche Führungspersönlichkeit. Bin ich eher traditionell eingestellt, wünsche mir Erfahrung im juristischen Bereich, kluge Finanzplanung und Expertise bei nationalen Verhandlungsrunden sowie Disziplin und Sparsamkeit, finde ich eine andere Führungspersönlichkeit perfekt. Mag ich Charisma, Überzeugungskraft, gutes Marketing der eigenen Ideen, klare Haltung und Entscheidungskraft ohne faule Kompromisse, gefällt mir vielleicht Führungskraft Nummer drei.

Mut zum Führung neu denken

Dabei finde ich nicht, dass man Doppelspitzen starr und auf ewig von oben herab verschreiben müsste. Weder für den HR noch generell. Jede Zeit, jede Gesellschaft und jede Lage hat ihren Weg, Entscheidung und Führung selbst zu definieren und zu finden. Was wäre, wenn die beiden Kandidierenden um die HR-Intendanz jetzt diejenigen wären, die nach dem Dauer-Patt am meisten telefonieren würden – und zwar miteinander? Was wäre, wenn sie den Ruf der Wählenden nähmen und damit zu arbeiten begännen, gemeinsam, für einen starken Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, den sie sicher beide wollen? Das wunderbare an einer Doppelspitze ist, dass sie mehr in sich vereint, als die einzelne Person das kann. Vielleicht ist ein Patt in drei Wahlgängen darum kein Drama, sondern ein gutes, kluges und starkes Zeichen in Richtung eines Führung neu denken, das unserem Rundfunk mit seinen bisher oft steilen Hierarchien generell gut tun könnte.


Weiterlesen:
Doppelspitzen – doppelt spitze? – ein Dossier.
Die Dossiers Politik & Kultur erscheinen als Beilage zu Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler. Redaktionsschluss der vorliegenden Ausgabe: Juni 2020.


Rede zur Aktuellen Stunde: Debattenkultur braucht Vielfalt

Sehr verehrte Präsidentin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen,

Die inhaltliche Auseinandersetzung ist Grundnahrungsmittel einer lebendigen Demokratie.

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Meinungsfreiheit aber ist keine Rechtfertigung für Ausgrenzung und Beleidigung. Wer die Würde anderer Menschen infrage stellt, äußert keine Meinung und will sich nicht inhaltlich auseinandersetzen, sondern betreibt geistige Brandstiftung. Widerspruch und klare Kante in der Debatte sind bei geistiger Brandstiftung wichtig und richtig. Denn Demokratien sterben heute nicht mehr laut – sondern leise.

„Tinder für Politik“

Ziemlich genau vor vier Jahren war es, im Angesicht der Bundestagswahl 2017, als sich die Redaktion von Zeit-Online um die Diskurse in unserem Land so sorgte, dass sie beschloss, etwas zu verändern. 

Dass wir alle Fakten gerne ausblenden, die nicht unserer Überzeugung entsprechen, haben zahlreiche Studien belegt. Dass es also nicht ausreicht, Fake-News richtig zu stellen, ist die Folge daraus. Die Redaktion überlegte sich: Wie können wir den Zentrifugalkräften unserer Gesellschaft entgegenwirken? Eine Art “Tinder für Politik” war die Lösung, “Deutschland spricht” war geboren. 
Unter der Prämisse “Würden Sie gerne einen Nachbarn treffen, der komplett andere Ansichten hat, als Sie?” trafen sich so seit Beginn des Projekts über 60.000 Menschen zum persönlichen Gespräch. In mehr als acht Ländern gibt es das Konzept inzwischen. Etliche weitere Medienpartner sind dabei. 

Zuspruch für Erfolgsmodell: Diskurs Augenhöhe

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts zeigte: ja, rund zwei Drittel überdenken eine festgefahrene Meinung. Und ja, es macht allen Spaß, die zum Treffen gekommen sind.

Doch die Redaktion der Zeit musste  erkennen, dass auch sie eine Filterblase ist. Dass auch in den Anmeldungen zum “Polit-Tinder” “Deutschland spricht” nur ganz bestimmte Menschen gematcht wurden. Weil nämlich nur bestimmte Personen sich überhaupt angemeldet hatte. Woran liegt das? Das liegt daran, dass die Zeit nicht von allen Menschen in diesem Land gelesen wird.

In einer funktionierenden Demokratie müssen wir marginalisierten Gruppen zuhören und lernen

Ja, für eine gute Demokratie braucht es menschliche Interaktion, Konflikt, Argumente und Debatte. – Aber es braucht auch eine breite Beteiligung unserer Gesellschaft, eine Sichtbarkeit und Hörbarkeit marginalisierter Gruppen, ein Raum geben für Stimmen, deren Biografie eine andere ist als meine, die anders aussehen als ich, anders leben, lieben oder glauben. Alle diese Menschen müssen gehört werden und das an den unterschiedlichsten Orten!

Ich will Ihnen ein Beispiel geben: ich sitze im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks. Unter uns Mitgliedern ist eine einzige Person nicht weiß. Behindertenverbände entsenden eine einzige Person. Queerverbände niemanden. Auch eine muslimische Vertretung gibt es dort nicht. 
In Medienhäusern, seien es Zeitungen, Zeitschriften oder Fernsehsender, sowohl die privaten als auch die öffentlich-rechtlichen, haben wir eine sehr ähnliche Situation. 

Bisher spiegelt sich unsere vielfältige Gesellschaft nicht in den Medien ab

Das ist ein Problem. Das bildet nicht die Wirklichkeit ab, in der wir leben – nicht die Lebensumstände und nicht die Meinungen, der Menschen mit denen wir zusammenleben. Es gibt nun erste zaghafte Versuche, auch jenen eine Stimme zu geben, die zu lange aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Angst vor dem ungewohnten Fremden als irrelevante Minderheit abgetan wurden. Doch auch da ist es wieder die Filterblase, die diese Stimmen oft erstickt, weil sie nicht laut sind, nicht populistisch sondern sich nur einreihen wollen, nur anmerken, was sonst noch bedacht werden sollte.

In meinem Stimmkreis leben Menschen aus über 100 Nationen friedlich zusammen. In der Moderation von Sendungen des BR oder als Figuren fiktionaler Angebote, bei denen die Herkunft keine Rolle spielt, kommen sie nicht vor. Auch gibt es fast keine Figuren, die eine Behinderung haben, ohne dass das explizit Teil der “Problematik” einer Rolle ist. Oder eine Lehrerin, die einfach so eine Transfrau ist – warum sehe ich das nicht? 

Geben wir allen Menschen den Raum, der ihnen zusteht!

Offene Debattenkultur lebt davon, wie vielstimmig eine Gesellschaft ist. Vielfalt in Film und Fernsehen, im Radio und in Zeitungen hat sehr viel mit dieser Vielstimmigkeit zu tun. 

Wenn wir viele Stimmen zu lassen, ihnen Raum, Sichtbarkeit und Gehör geben in unseren Medien, dann haben wir die Chance statt der schrägen Kakophonie der wenigen Lauten den Vielklang aller zu hören, der unsere Demokratie stärkt und bereichert.

Vielen Dank.

Queere Repräsentanz in Medienrat und BR Rundfunkrat!

Wir Abgeordnete haben Fragerechte. Wenn als Antwort nur kommt „Weiß nicht“ ist das entweder Ignoranz oder Arbeitsverweigerung. In jedem Fall aber unerhört und die Rechte des Parlaments missachtend. eine Geschichte um die queere Menschen und ihre Vertretung in öffentlichen Gremien.

Die Antwort auf eine Anfrage zur Repräsentanz queerer Menschen im BR-Rundfunkrat gestellt von den Abgeordneten Tessa Ganserer, Sanne Kurz und Stephanie Schuhknecht (Grüne) bewertet Sanne Kurz, Mitglied des BR-Rundfunkrats, als schlichte Arbeitsverweigerung:

„Mehr Desinteresse kann man nicht zeigen. Die Antwort auf unsere Fragen gleicht einem Offenbarungs-Eid über den Stellenwert queerer Menschen in Bayern in den Augen der Staatsregierung.“

Mit der Schriftlichen Anfrage wollten die Abgeordneten in Erfahrung bringen, ob die Staatsregierung queere Menschen im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien ausreichend repräsentiert sieht. Die Antwort von Staatsminister Florian Herrmann auf ein gutes Dutzend Fragen lässt sich einfach zusammenfassen: Er wisse nicht, wie viele queere Menschen es in Bayern gibt, daher könne er die Fragen nicht beantworten und sich auch keine Gedanken über eine Neubesetzung der Gremien machen. Herrmann ist selbst Mitglied des Rundfunkrats.

Beide Gremien sollen laut Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 25.3.2014, dem sogenannten „ZDF-Urteil“, die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln. Mittlerweile haben ZDF, Deutschlandradio, Saarländischer Rundfunk, Radio Bremen und WDR einen ‚Queeren Sitz‘ in ihren Kontrollgremien. Dieses Jahr sollen MDR und RBB folgen. Damit hat noch in 2021 eine Mehrheit der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine Repräsentanz queerer Menschen in den Kontrollgremien.

Die Zusammensetzung von Rundfunkrat und Medienrat in Bayern ist im Bayerischen Rundfunkgesetz geregelt. So sitzen dort neben 12 einfachen Landtagsabgeordneten und einer Vertretung der Staatsregierung zum Beispiel auch vier Vertreter*innen der christlichen Kirchen und zwei aus dem Bauernverband.

„Dass vermutlich zehn Prozent der Gesellschaft keine Vertretung in den beiden Kontrollgremien haben, ist nicht weiter akzeptabel“, so die queerpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen Tessa Ganserer. Sie verweist auf das Manifest #actout vom März 2021, in dem über 180 LSBTIQ*-Schauspieler*innen und Regisseur*innen deutlich gemacht haben, wie schlecht es um Akzeptanz queerer Menschen in Film und Fernsehen bestellt ist.

„Es kann nicht sein, dass queere Personen immer noch nicht in wichtigen Gremien repräsentiert sind. Bayern ist bunt, auch wenn es der CSU-FW-Regierung nicht passt. Repräsentanz ist entscheidend, um gegen die immer noch bestehende Diskriminierung vorzugehen.“

Sanne Kurz, Mitglied BR-Rundfunkrat, Grüne Fraktion Bayern Landtag

Der Lesben- und Schwulenverband Bayern und die Queer Media Society haben im März eine Petition gestartet, die in beiden Bayerischen Gremien eine Queervertretung fordert. Jetzt unterzeichnen!


Weiterlesen: Queer.de: Söder-Regierung gegen LGBTI-Vertretung im Rundfunkrat

Schriftliche Anfrage „LSBTIQ*-Vertretung in Rundfunkrat und Medienrat“ – die Antwort des Staatsministeriums der Staatskanzlei

1. a) Auf welchen Anteil an der Bevölkerung in Bayern schätzt die Staatsregierung LSBTIQ*-Personen?

Die Staatsregierung erhebt keine Daten über die sexuelle Orientierung und die geschlecht- liche Vielfalt der in Bayern lebenden Personen. Einer Datenerhebung stehen Persön- lichkeits- und Datenschutzrechte entgegen.

b) Durch wen sieht die Staatsregierung in der aktuellen Besetzung von RR und MR die Interessen dieser Gruppe angemessen vertreten?

Siehe Antwort zu Frage 1a.

c) Findet die Staatsregierung LSBTIQ*-Personen mit Bezug auf die Antwort auf die Frage 1a auch ohne eigene Vertretung angemessen unter den je 50 Mitgliedern in RR und MR vertreten (bitte Antwort begründen)?

Siehe Antwort zu Frage 1a.

2. Wie bewertet die Staatsregierung die letzten Diversitätsberichte des BR hinsichtlich LSBTIQ*-Themen, LSTBIQ*-Medienschaffenden, LSTBIQ*-Pro- tagonist*innen und LSBTIQ*-Darstellung im Programm?

Die Diversitätsberichte des Bayerischen Rundfunks sind keine öffentlichen Dokumente und daher auch nicht öffentlich zu bewerten.

3. a) Plant die Staatsregierung in einer Novellierung des Bayerischen Rundfunk- gesetzes und des Bayerischen Mediengesetzes die Neubewertung und damit eine Neuverteilung der Sitze in RR und MR?

Eine Neubewertung und eine Neuverteilung der Sitze sind derzeit nicht vorgesehen.

b) Ist für die Staatsregierung eine Erweiterung der Gesamtzahl der Sitze einer Neuverteilung der bestehenden Sitze vorzuziehen?

Siehe Antwort zu Frage 3a.

c) Plant die Staatsregierung eine unterschiedliche Bewertung von Rundfunk- rat und Medienrat hinsichtlich der unterschiedlichen Aufgaben und Ziel- gruppen?

Siehe Antwort zu Frage 3a.

4. a) Welche Interessengruppen sind nach Einschätzung der Staatsregierung bei einer Neubewertung der Sitzverteilung und gleichbleibender Sitzanzahl zu vernachlässigen bzw. die Sitze welcher Gruppen, die mehrere Personen entsenden, zu reduzieren?

Siehe Antwort zu Frage 3a.

b) Welche Interessengruppen sind nach Einschätzung der Staatsregierung bei einer Neubewertung der Sitzverteilung und steigender Sitzanzahl dringend zu berücksichtigen oder auf mehr Sitze als bisher auszuweiten?

Siehe Antwort zu Frage 3a.

5. Unter welchen Voraussetzungen ist eine Besetzung der Plätze in Rund- funkrat und Medienrat in nicht gespiegelter Form für die Staatsregierung denkbar?

Siehe Antwort zu Frage 3a.

Schriftliche Anfrage „LSBTIQ*-Vertretung in Rundfunkrat und Medienrat“ – meine Fragen

Rundfunk-, Hörfunk- und Medienrät*innen deutscher öffentlich-rechtlicher Sender und Landesmedienanstalten sollen in ihrer Zusammensetzung einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden. So finden sich unter ihnen Vertreter*innen zum Beispiel aus den Bereichen Tourismus, Journalismus, aus Kirchen, Handwerk und Handel, aus den Bereichen Migration und aus Behindertenverbänden. Um dem gesetzlichen Anspruch der gesellschaftlichen Bandbreite gerecht zu werden, wird die Zusammensetzung der Räte regelmäßig evaluiert. In Bayern betrifft das auf Basis des Bayerischen Rundfunkgesetzes und des Bayerischen Mediengesetzes sowohl den Rundfunkrat (RR) des Bayerischen Rundfunks (BR) als auch den Medienrat (MR) der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Die gesellschaftliche Bandbreite ist allerdings weitaus vielfältiger als die Berufsgruppen und Glaubensrichtungen, die bisher in Rundfunk- und Medienrat vertreten sind. Andere Sender haben hier eine weitaus modernere Zusammensetzung der Gremien. So ist seit 2014 im ZDF und später auch beim WDR, RB, SR und beim Deutschlandradio eine Vertretung von LSBTIQ*-Personen im entsprechenden Kontrollgremium vertreten.

Medienberichten nach werden MDR und RBB nach der nächsten Novellierung der entsprechenden Gesetze auf Landesebene ebenfalls einen Sitz für LSBTIQ*-Menschen erhalten. Auch in Bayern wäre eine Novellierung des maßgeblichen Bayerischen Rundfunkgesetzes und des Bayerischen Mediengesetzes die Basis für eine Neubesetzung von RR und MR.

Vor dem Hintergrund, dass mit MDR und RBB dann fünf von neun Landesrundfunkanstalten der ARD sowie das ZDF und das Deutschlandradio LSBTIQ*-Personen durch
eine Queer-Vertretung berücksichtigen, fragen wir die Staatsregierung:

  • 1. a) Auf welchen Anteil an der Bevölkerung in Bayern schätzt die Staatsregierung LSBTIQ*Personen?
  • 1. b) Durch wen sieht die Staatsregierung in der aktuellen Besetzung von RR und MR die Interessen dieser Gruppe angemessen vertreten?
  • 1. c) Findet die Staatsregierung LSBTIQ*-Personen mit Bezug auf die Antwort auf die Frage 1a auch ohne eigene Vertretung angemessen unter den je 50 Mitgliedern in RR und MR vertreten (bitte Antwort begründen)?
  • 2.Wie bewertet die Staatsregierung die letzten Diversitätsberichte des BR hinsichtlich LSBTIQ*-Themen, LSTBIQ*-Medienschaffenden, LSTBIQ*- Protagonist*innen und LSBTIQ*-Darstellung im Programm?
  • 3. a) Plant die Staatsregierung in einer Novellierung des Bayerischen Rundfunkgesetzes und des Bayerischen Mediengesetzes die Neubewertung und damit eine Neuverteilung der Sitze in RR und MR?
  • 3. b) Ist für die Staatsregierung eine Erweiterung der Gesamtzahl der Sitze einer Neuverteilung der bestehenden Sitze vorzuziehen?
  • 3. c) Plant die Staatsregierung eine unterschiedliche Bewertung von Rundfunkrat und Medienrat hinsichtlich der unterschiedlichen Aufgaben und Zielgruppen?
  • 4. a) Welche Interessengruppen sind nach Einschätzung der Staatsregierung bei einer Neubewertung der Sitzverteilung und gleichbleibender Sitzanzahl zu vernachlässigen bzw. die Sitze welcher Gruppen, die mehrere Personen entsenden, zu reduzieren?
  • 4. b) Welche Interessengruppen sind nach Einschätzung der Staatsregierung bei einer Neubewertung der Sitzverteilung und steigender Sitzanzahl dringend zu berücksichtigen oder auf mehr Sitze als bisher auszuweiten?
  • 5. Unter welchen Voraussetzungen ist eine Besetzung der Plätze in Rundfunkrat und Medienrat in nicht gespiegelter Form für die Staatsregierung denkbar?

Zur Antwort geht’s hier:

Queervertretung in Rundfunkrat und Medienrat

Queervertretung im Rundkunkrat? In Bayern Fehlanzeige. Wieso das problematisch ist und was sich ändern muss, haben wir einem Webinar besprochen.

Kontrollgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollen die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt abbilden. In Bayern fehlen in Rundfunkrat und Medienrat allerdings Vertreter*innen der LGBTIQ-Community, anders als zum Beispiel bei ZDF und Radio Bremen. Zusammen mit Tessa Ganserer (damalige queerpolitischen Sprecherin der grünen Landtagsfraktion), Christian Linker (Mitglied im Rundfunkrat), Luca Renner (ZDF-Fernsehrät*in), Markus Apel (Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands Bayern) und Kai S. Pieck (Initiator der Queer Media Society) haben wir in einem Webinar diskutiert, wieso eine Queervertretung in Rundfunkrat und Medienrat unbedingt nötig ist. Markus Apel und Kai S. Pieck sind die Initiatoren der Petition „Queer und sichtbar in den Medien – LSBTIQ* in die bayerischen Rundfunk- und Medienräte“ für mehr Vielfalt in den Medien.

„Es kommt nicht nur darauf an, DASS wir als LSBTIQ* gesehen werden, sondern auch WIE wir dargestellt werden und WER unsere Geschichten erzählt und umsetzt. Das gilt übrigens für alle Gruppen des Vielfaltsspektrums. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, dass LSBTIQ* auch in den Entscheidungsebenen mitreden können.“

Kai S. Pieck, Initiator der Queer Media Society (QMS)

Kampagnenvideo: „Queer und sichtbar in den Medien – LSBTIQ* in die bayerischen Rundfunk- und Medienräte“

Kampagnenvideo: „Queer und sichtbar in den Medien – LSBTIQ* in die bayerischen Rundfunk- und Medienräte“

Gesetzentwurf: Novelle Bayerisches Rundfunk- und Mediengesetz

2021 sollte der Rundfunkrat alle gesellschaftlichen Gruppen repräsentieren – und niemanden bevorzugen. Derzeit erinnert die Zusammensetzung des Rates eher an ein Gremium der 1950er: Männer und Mauscheln – geht! Möglich wurde das durch die Aufweichung des bayerischen Rundfunk- und Mediengesetzes und eine Gesetzeslücke bei der Unvereinbarkeits-Regelung. Wir Landtags-Grüne wollen mit unserem Gesetzentwurf die Gremien gerechter machen.

Achtung: wer Transparenz und Gerechtigkeit will, bekommt nicht immer alles in mundgerechten Häppchen geliefert. Beim Bayerischen Rundfunk- und Mediengesetz gilt wie bei einem spannenden Beziehungsstatus „it’s complicated“! Damit Du nicht verzweifeln musst, gibt es hier gleich mal zwei Links zu den Haupt-Themen, die wir Grüne im Landtag Bayern gerne verbessern möchten:

Geschlechtergerechtigkeit und Parität im Rundfunkrat

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im männerdominierten BR-Rundfunkrat, ebenso wie im Medienrat, weit von der Realität entfernt. Sämtliche Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Ausschüsse und der Vollversammlung des Rundfunkrates sind männlich – von Geschlechtergerechtigkeit fehlt hier jede Spur! Eine einzige Frau – die Schriftführerin – macht den so mit 8 Männern besetzten Ältestenrat auch nicht zu einer Paritäts-Veranstaltung. Dabei wissen doch alle: gemischte Teams arbeiten einfach viel besser und haben bessere Ergebnisse! Im Medienrat ist die Situation nur marginal besser: 14 Vorsitzposten, davon 3 von Frauen besetzt.

Die fehlende Geschlechterparität in den Gremien des Rundfunk- und Medienrats ist auf eine bewusste Aufweichung der vom Bundesverfassungsgericht im sogenannten „ZDF-Urteil“ vorgeschriebenen Paritäts-Regelung im bayerischen Rundfunkgesetz und im Mediengesetz zurückzuführen. – Wer das Gesetz in Bayern damals wohl angepasst hat, damit Frauen endlich mehr Gehör finden…hm…let me think…wer hat hier nochmal die letzten Jahrzehnte regiert?!

Jahrzehntelanges CSU-Versagen

Wir Grünen haben jedenfalls keine Geduld mehr, weitere Jahrzehnte zu warten, bis Männer und Frauen endlich überall gleichgestellt sind! Und hey: das Bundesverfassungsgericht findet das auch! Darum fordern wir in unserem Gesetzesentwurf eine Änderung von Rundfunk- und Mediengesetz. Aktuell ist zwar eigentlich vorgesehen, dass bei neuen Mitgliedern im Rundfunkrat auf einen Mann kein Mann folgen darf. Es steht da aber „soll“ im Gesetzestext. Stellt Euch mal vor, wir hätten das bei Ampeln: „Du sollst bei Rot bitte halten. Also…wenn’s grad passt und nicht stört. Folge der Soll-Regelung: Ein DIN-A4 Blatt mit Floskeln genügt, und schwupp, schon sitzen neue Männer drin, im Rat.

Beliebte Ausreden, warum man leider einen Mann schickt:

  • „Wir haben leider nur Männer“ (Dabei setzt sogar die katholische Kirche, die im Rundfunkrat gut vertreten ist, dank öffentlichen Drucks immer mehr auf Gleichstellung.)
  • „Alle unsere Präsidenten sind männlich“ (Hey, schon mal was von paritätischer Führung gehört? Keiner sagt, dass es keine Präsidentinnen geben darf und keiner schreibt vor, dass man unbedingt den Präsidenten schicken müsste – eine andere Person dürft Ihr auch in den Rundfunkrat schicken!)
  • „Keine Frau wollte“ (Ja, Leute, da muss man Frauen von Anfang an empowern, fördern, coachen. Klar machen, dass es wichtig ist. Und ihnen Jobs abnehmen und Zeit schenken! Dass man neben Care-Arbeit und Vollzeit-Job vielleicht nicht noch ehrenamtlich in ein Gremium will, nur weil das Bundesverfassungsgericht Parität vorschreibt, ist klar. Es sagt aber niemand, dass man als entsendender Verband nicht z.B. Kinderbetreuungskosten erstatten dürfte, um so den Weg für mehr Frauen frei zu machen – auch ohne Rundfunkrat übrigens.)

Die „Wenn wir die Augen einfach zu machen, dann wird das schon irgendwie, irgendwann gerecht“- Haltung ist jedenfalls so gar keine Lösung.

Zukunft gestalten statt Mangel verwalten

Stattdessen muss Parität bei der Besetzung gelten – Punkt. Auch die Führungsebene braucht dringend eine dicke Prise Geschlechtergerechtigkeit! Frauen in Führung – eh klar! Dabei fordern wir Grüne noch nicht mal Mindest-Parität, sondern „nur“ 50/50: Posten der Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden von Ausschüssen und Voll-Gremium in Rundfunk- und Medienrat gilt es in Zukunft gleichberechtigt unter Frauen und Männern aufzuteilen.

Gleiches Recht für alle im Rundfunkrat?

Was ebenso unverständlich bleibt: Wieso gelten im Bezug auf die Unvereinbarkeit – sehr schick Inkompatibilität genannt – für den Rundfunkrat unterschiedliche Regeln für sogenannte „staatsnahe“ und „staatsferne“ Personen? Wieso dürfen sich also eine „staatsnahe“ Personen, wie z.B. Abgeordnete, durch eine Gesetzeslücke schummeln und sich so Zugang verschaffen, wo für andere gilt „in Deinem Fall bitte draußen bleiben“?

Was ist die Inkompatibilitätsregel?

Eigentlich soll durch diese Unvereinbarkeits-Regel verhindert werden, dass wirtschaftliche oder private Interessen der Mitglieder die Entscheidungen im Rat beeinflussen. So dürfen etwa aktuelle Angestellte des Bayerischen Rundfunks nicht im Rundfunkrat sitzen, bei ehemaligen angestellten gilt eine Sperrfrist. Auch Menschen, die für Privatfunk arbeiten haben in einem Gremium, das über Wohl und Wehe unseres Öffentlich Rechtlichen entscheidet und auch sensible Interna und Strategien bespricht, laut Gesetz nichts verloren. – Wenn …

… ja, wenn sie nicht Landtagsabgeordnete sind!

Echt ärgerlich wurde dieses Schlupfloch, als bei der Neuentsendung der vom Bayerischen Landtag entsandten Mitglieder nach der Landtagswahl 2018 eine Person, die im Landtag sitzt, in den Rundfunkrat entsendet wurde, die:

alleinvertretungsberechtigter Gesellschafter einer privaten Mediengruppe ist. So der Handelsregister Auszug, den ich im Zuge der Debatten um diesen Fall extra besorgt hatte.

Interessenskonflikt ist eigentlich verboten. Trotzdem sitzt dieser Mensch noch als Mitglied des BR-Rundfunkrates in jeder Sitzung, hört mit, entscheidet mit, wählt mit. Obwohl hier eine Interessenkollision mehr als naheliegend sein sollte, greift die Unvereinbarkeitsregelung in diesem Fall nicht. Denn es handelt sich ja um eine „staatsnahe“ Person, die vom Landtag entsandt worden ist.

Wäre dasselbe Rundfunkratsmitglied vom Bauernverband oder der Kirche entsandt worden, dann wäre ihm die Mitgliedschaft aufgrund Inkompatibilität verwehrt worden. – Wem das zu kompliziert ist, der kann es im Gesetzestext nochmal nachlesen:

Art. 5a – Allgemeine Regelungen für Rundfunkrat und Verwaltungsrat

  • (1) 1Dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat dürfen vorbehaltlich Art. 6 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, 2 und 5 (…) nicht angehören:
    • 1.Mitglieder des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags oder eines Landesparlaments,
    • 2.Mitglieder der Europäischen Kommission, der Bundesregierung oder der Regierung eines Landes,
    • 3.hauptamtliche kommunale Wahlbeamte und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände auf Leitungsebene,
    • 4.Mitglieder im Vorstand einer politischen Partei auf Bundes- oder Landesebene,
    • 5.Angestellte oder ständige Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks,
    • 6.Personen, die den Organen eines anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalters oder einer Landesmedienanstalt angehören.

Art. 6 Kontrollrecht und Zusammensetzung des Rundfunkrats, Verordnungsermächtigung (gekürzt auf die in Art. 5a erwähnten Ausnahmen – Volltext siehe Link)

  • (…)
  • (3) 1Der Rundfunkrat setzt sich zusammen aus:
    • 1.zwölf Vertretern des Landtags, die dieser entsprechend dem Stärkeverhältnis der in ihm vertretenen Parteien und sonstigen organisierten Wählergruppen nach dem Verfahren Sainte-Laguë/Schepers bestimmt; jede Partei und sonstige organisierte Wählergruppe stellt mindestens einen Vertreter;
    • 2.einem Vertreter der Staatsregierung;
    • (…)
    • 5.je einem Vertreter des Bayerischen Städtetags, des Bayerischen Landkreistags und des Bayerischen Gemeindetags;
    • (…)

Sehr Ihr das Problem?! – Deshalb fordern wir in unserem Gesetzesentwurf, dass die Unvereinbarkeitsregelung auf alle potenziellen Mitglieder des Rundfunkrates ausgeweitet wird – egal, ob staatsfern oder nicht!

Wieso wir eine regelmäßige Überprüfung der Zusammensetzung brauchen

Aktuell sitzt im Rundfunkrat des BR genau eine Person für Migrationsverbände – 1 von 50. Das entspricht 2%. In Bayern leben aber über 25% Menschen mit Migrationshintergrund. LGTBIQ* Personen sind im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks, anders als in den Rundfunkräten einige anderer Landesrundfunkanstalten, überhaupt nicht vertreten. Auch die Jugend ist mit einer Person eher schlecht als recht repräsentiert. Außerdem bin ich mit meinem 46 Jahren die zweitjüngste in dem sehr männlichen, sehr überalterten Gremium. Und nein, die Jugendvertretung ist nicht jünger als ich – seufz.

Damit die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichturteils zum ZDF-Staatsvertrag – das darüber hinaus allgemeine Regeln zur Staatsferne in Gremien von Rundfunkanstalten aufstellt – erfüllt werden, muss die Zusammensetzung des Rundfunkrats regelmäßig überprüft werden. Dabei sollte im Vordergrund stehen: Werden alle gesellschaftlichen Gruppen gleichmäßig im Rundfunkrat repräsentiert? Wichtig ist, dass diese Überprüfung nicht wie bisher nach Gutdünken und persönlicher Einschätzung erfolgen sollte. Wir brauchen eine institutionalisierte und regelmäßige Überprüfung der Zusammensetzung des Rundfunkrates. Nur so kann garantiert werden, dass der Rundfunkrat immer einen Querschnitt der Bevölkerung abbildet.


Die Erste Lesung zu unserem Gesetzesentwurf – aus der Landtagssitzung vom 2. Dezember 2020 – hier zum Nachhören:

Eine Quote für die Kunst: Geschlechtergerechtigkeit für Frauen in Kultur und Medien

Weil es im Koalitionsvertrag steht, hat die Bundestags-GroKo schnell vor der Wahl noch eine Debatte zur Verbesserung der Situation von Frauen in Kultur und Medien auf die Tagesordnung gesetzt. In 15 Minuten war die Sache abgefrühstückt. Darum ging es:

Von „“Geschlechtergerechtigkeit als personalpolitischem Ziel“ sprachen die GroKo-Rednerinnen, und forderten „mehr flexible Kitas“ – das sind mal mutige Ideen! Als gäbe es unter männlichen Kulturschaffenden keine Väter, die – o Wunder! – trotz Vaterschaft Beruf, Karriere und Führungsposition easy hinkriegen. Wir Grüne haben da wenig Hoffnung und forderten heute zum wiederholten Male eine Quote:

„Es gibt sie bereits, die Quote. Eine Männerquote nämlich. Die Kunst ist frei – vorausgesetzt, man ist männlich.“

Erhard Grundl, Kulturpolitischer Sprecher
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bundestagsfraktion

Wir Grüne fordern eine Frauenquote für eine geschlechtergerechte Kulturbranche und gleiche Chancen für Frauen und Männer in Kultur und Medien. Ob Führungsebene, Projektförderung, Ausstellung oder Filme der Öffentlich-Rechtlichen: Frauen machen zwar den Großteil der erfolgreichen Absolvent*innen in kulturbezogenen Studienfächern aus – auf der Entscheidungsebene kommen sie aber nicht an.

Darum haben wir Grüne im Rundfunkrat des BR erfolgreich für die Wahl einer Intendantin gekämpft. Sehr gut geeignete Bewerberinnen gab es viele. Viel zu viele Jahre wurden bereits verschenkt. Jahre, in denen männliche Wissenschaft, männliche Kritik, männliche Juries, männlich dominierte Regierungen und Männerbünde in der Lehre Frauen-Verhinderungs-Politik betrieben. Das Umdenken hat eingesetzt. Auch bei Männern. Ich bin es meinen Töchtern und Söhnen schuldig, dass ihre Zukunft nicht von ihrem Geschlecht abhängt:

3 von 130 Orchestern dirigiert eine Frau

Nur 22% der deutschen Theater werden von einer Frau geleitet, nur 30% der Inszenierungen an diesen Bühnen sind von Frauen, und in mageren 14% der Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks führen Frauen Regie. Von 130 (Ein-Hundert-Dreißig!) Orchestern in Deutschland werden sage und schreibe drei – DREI! – von Frauen dirigiert.

Da ist sie, die Quote! Es gibt sie nämlich schon. Es ist eine Männerquote: Die Kunst ist frei, vorausgesetzt sie ist männlich.

Ich bin davon überzeugt, dass wir es all den großartigen Frauen im Kulturbereich schuldig sind, uns für Chancengleichheit, für eine Frauenquote einzusetzen.

Den Antrag der Kolleg*innen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Bundestag findet Ihr hier:

Picture of Bet Rourich with camera taken by Jose Haro.


Thank you, my friend from Catalunya, amazing cinematographer Bet Rourich, for letting me use your image! Almost 20 years ago we met during Kodak’s Budapest Cinematography Masterclass BCM. Artists have always been collaborating across borders. Travel restrictions due to the pandemic make this inspiring work hard and many jobs and projects impossible. Needed help does not always take the often international character of creative work in account. Now being a Green Member of Parliament, I try all I can to make ends meet, pushing governments to try harder and match the urgent needs of artists. – To better days, Bet!

Picture of Bet and Sanne by Amandi Wong.

„…die Intendantin, Frau Dr. Katja Wildermuth…“

An diese Worte wird man sich gewöhnen müssen, denn ab 1. Februar 2021 ist die Unternehmensspitze des BR mit einer Frau besetzt. Mit einer Frau, die Inhalte kann, die Programmstrukturen kann, die Führung kann, die Bayern kann. – Die aber auch weiß, was anderswo gut funktioniert und dass die Welt nördlich des Mains nicht aufhört. – Eine Notiz zu einem Neubeginn.

Nach 70 Jahren Bayerischer Rundfunk, BR, reiht sich in die lange Galerie männlicher Intendanten endlich eine Chefin für unseren Rundfunk. Die Personalie Katja Wildermuth ist für den BR und die ARD wichtig, weil Öffentlich Rechtlicher Rundfunk die Perspektiven aller Menschen unserer Gesellschaft abbilden soll – und 50% der Menschen dieser Gesellschaft sind weiblich. Bei Führung in Medien allgemein und bei Öffentlich-Rechtlichen im Besonderen ist noch viel Luft nach oben.

Dass es extrem viele, sehr gute weibliche Führungspersönlichkeiten gibt, zeigte unsere Suche, zeigten alle Kräfte, die bei der Suche nach einer Intendantin halfen. Mit ihrem Service-Tweet rief das #Frauennetzwerk des BR laut die Namen von zig Frauen in die Welt. Auch wir hatten rund 60 weibliche Personen auf unserer Liste und – nein – niemand hatte als Qualifikation, dass sie Mal Regierungssprecherin von CSU/CDU Führungspersonal war…

Starke Wahl. Starke Intendantin.

48 abgegebene Stimmen, davon 38 für Dr. Katja Wildermuth, als dieses Ergebnis bekannt wurde lagen drei Monate Verhandeln, Nachdenken und mit tollen Frauen reden hinter uns. 38 Stimmen für eine starke Intendantin – genau so hatten wir uns das gewünscht. 38 Stimmen – das sind viele Stimmen für die beste Bewerberin und viele Stimmen für Frauen in Führung!

Es warten Herkulesaufgaben

Heute geht es los. Die erste Herkulesaufgabe wird sein, die bestehenden Sparvorgaben für den BR mit der Rundfunkbeitrags-Blutgrätsche aus Sachsen-Anhalt zu vermählen, die tausenden von Angestellten und einem Millionen-Publikum die angemessene Finanzierung für unseren Rundfunk verwehrt.

Bye-bye 50ies, welcome 2021

Der zweite Kraftakt ist die Neuaufstellung der Rundfunkanstalt – oder sollte ich besser sagen, des Medienhauses – für eine Zukunft mit Perspektive. Wenn wir auch in 20, 30 Jahren noch einen BR haben wollen, der Publikum hat, dann müssen wir alle Menschen der Gesellschaft in den Blick nehmen.
Dann darf Diversität nicht mehr nur in der Nische stattfinden, dann müssen sich alle Menschen bei ihrem Sender wiederfinden.

Das Feld schon mal „schön vorbereitet“

Der scheidende Intendant hat mit, sagen wir mal, ungewöhnlichen Entscheidungen, wie zum Beispiel dem Vorschlag der Verlängerung von Verträgen, die erst nach Amtsantritt der neuen Intendantin ausgelaufen wären, ein ganzes Stück seiner Macht bis weit in die Zukunft hinein zementiert.

In diese festzementierten, unter Sparzwang ächzenden Strukturen hinein gestaltend zu wirken, dürfte anstrengend und mühsam und wunderbar und spannend werden. Ich für meinen Teil werde als Rundfunkrätin gerne begleiten und konstruktiv unterstützen.

Weiterlesen:

Rundfunkbeitrag: Blutgrätsche aus Sachsen-Anhalt

Der winzige CDU-Landesverband Sachsen-Anhalt hat seinen Ministerpräsidenten zum Einknicken gebracht. Der Ministerpräsident (CDU) hat den alten Politik-Trick angewendet, Dinge einfach nicht auf die Tagesordnung zu setzen und so demokratische Prozesse zu verhindern. Das blockiert nun die Anpassung des Rundfunkbeitrags für 80 Millionen Menschen.

Rund 20.000 Menschen arbeiten alleine in den zur ARD gehörigen Landesrundfunkanstalten. Noch mehr beim ZDF, und etliche auch beim Deutschlandfunk und in den Privaten, denn ja: Deren Lizenzierung und Betriebsgrundlage wird auch mit unseren Rundfunkbeiträgen finanziert.

6.297 Mitglieder hat hat der winzige CDU-Landesverband. Und weder CDU noch CSU schaffen es, auf das Grüppchen einzuwirken, das dort in wilder AfD-Manier die Finanzausstattung unseres Rundfunks, die er zur Erfüllung seines Auftrags braucht, blockiert.

Wir geben dem Rundfunk seinen Auftrag.

Diesen Auftrag, den haben wir als Gesamtgesellschaft selbst gegeben. Wegen unseres Auftrags gibt es Maus– und Elefant-Apps kostenlos und werbefrei, darum gibt es funk und maiLab, und darum gibt es auch BR αlpha und Phoenix, Mediathek und Klangkörper, also z.B. Chöre und Orchester wie das weltbekannte BRSO, heutejournal und Kochsendungen und: Kinofilme! Denn die werden in der BRD maßgeblich von Sendern mitfinanziert.

Wir als Gesellschaft wählen Menschen in die Politik, die mit ihren Mehrheiten bestimmen, was denn unser Rundfunk bitte tun soll und wie der Auftrag, den unsere Verfassung gibt, auszufüllen ist.

Es geht um 86 Cent.

Es geht hier um 86 Cent. Eine Anpassung von 86 Cent, die nach langer Zeit der Senkung bzw. Stagnation der Beiträge weder die Inflationsverluste noch die Tarifabschlüsse noch die Kaufkraftverluste abbildet. Ich habe Rundfunkbeitrag gezahlt, als ich als freischaffende, alleinerziehende Künstlerin kaum Geld zum Überleben hatte. Ich war auch schon befreit von der Rundfunkgebühr. – Immer aber stand ich hinter der soliden Finanzierung unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Ja, man muss regelmäßig Reformen anstreben, überall. So auch im Rundfunk. Man darf aber nicht „Ich will, ich will“ schreien und das, was man bestellt hat, dann nicht finanzieren wollen. Dinge, die man bestellt hat und die bei den „Gästen“ gut ankommen, die will man nur ungern zurückgehen lassen in die Küche: Reformen sind unpopulär, Kürzungen, „die man am Programm nicht sieht“ sollen es richten. Dass das auch zu Lasten sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit geht? Geschenkt.

Wer bestellt, zahlt!

Lasst uns ehrlich sein und gemeinsam in einer öffentlichen Debatte ehrlich den Auftrag unseres Rundfunks gestalten! Bis dahin lasst uns den Auftrag, den wir gegeben haben, auch finanzieren. Weil es richtig ist.

Die Sender werden klagen. Die Sender werden gewinnen. Bis dahin beschädigt man ein ganzes System und spielt den Brandstiftern in die Hände.

Hier kann man einen superguten Fakten-Check der Grünen Fraktion Sachsen-Anhalt herunterladen zu den wichtigsten Eckdaten der Debatte – KEF, Staatsvertrag & Co:

Weiterlesen:

Medien machen Menschen

Ich sitze seit geraumer Zeit in einem Rundfunkrat. Wir wundern uns – als Gesellschaft und als Rundfunkräte – wieso öffentlich-rechtliches Programm nicht (mehr?!) alle Menschen der Gesellschaft erreicht. – Eine Notiz aus meinem Kommentar zur Initiative #NichtmeinTatort

Dass Film es leisten könnte, normative Vorbilder für alle gesellschaftlichen Gruppen zu skizzieren, statt normative Klischees zu zementieren und rückwärtsgewandt zu agieren, ist leider keineswegs Konsens. Wir (zu Recht!) krittelnden und mäkelnden Rundfunkratsmitglieder werden vertröstet, Programmverantwortliche ducken sich weg, bis der Sturm weiterzieht.

Programmverantwortliche ducken sich weg, bis der Sturm weiterzieht.

Öffentliche Mittel im öffentlichen Rundfunk aber sollten so verwendet werden, dass sie für alle gesellschaftlichen Gruppen sinnhaft im Sinne des Verfassungsauftrags Einsatz finden – und positiv im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes gesellschaftliche Modelle skizzieren:

Wo es heute in der realen Welt noch wenige Ermittlerinnen mit asiatischen Wurzeln, wenig Schuldirektorinnen mit afrikanischen Urahnen gibt, braucht es für junge Menschen diese Vorbilder in den Medien umso dringender, damit sie den Schritt wagen, dorthin zu gehen, wohin sie möchten – und nicht dorthin, wo „ihresgleichen“ vermeintlich hingehöre und wegen eines Racial Bias über Jahrzehnte verortet wurde.

Racial Bias ist nicht einfach „nur Rassismus“.

Racial Bias reicht von Selbstunterschätzung wegen Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe über strukturellen Rassismus und Alltagsrassismus bis hin zu positiven und negativen Vorurteilen. Unbewusste Vorbehalte – Unconcious Bias – gibt es nicht nur im Hinblick auf Aussehen/Hautfarbe. So wurde ich als Kamerafrau regelmäßig gefragt, ob „die Kamera nicht schwer“ sei. Meine Schwägerin, Altenpflegerin von Beruf, wird sehr selten gefragt, ob „der Patient nicht schwer“ sei.

Racial Bias und andere Formen der Diskriminierung wie z.B. Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit, Diskriminierung von Menschen mit Behinderung oder „Doppel-Diskriminierungen“ wie z.B. bei älteren Frauen können durch Medien zementiert werden – oder aber überwunden.

Vorbilder schaffen.

Nur mit Medien, die vermeintlich „überrepräsentieren“, können übrigens auch Menschen wie ich unbewusste Vorurteile nachhaltig begraben. Menschen wie ich, die keine BPoCs sind, keinerlei Akzent sowie einen sehr deutsch klingenden Namen haben – und die wie ich (positive wie negative) unbewusste, auf äußere Merkmalen beruhende Vorurteile aufgrund ihrer bisherigen kulturellen, familiären wie auch gesellschaftlichen Erfahrungen noch in sich tragen.

Rundfunkräte diverser aufstellen.

Dazu braucht es Redaktionen und Filmschaffende, die divers sind. Dazu braucht es öffentliche Mittel, deren Vergabe an Diversität geknüpft wird. Und last not least: Rundfunkräte, in denen nicht wie beim BR-Rundfunkrat nur eine Person von 50 Mitgliedern alle Migrant*innen des Freistaats Bayern mit 13 Millionen Menschen, 20% davon mit Migrationshintergrund, vertritt!

1/5 statt 1/50! – Das schreibe ich hier für meinen Rundfunkrats-Kollegen und Freund, Hamado Dipama – Du machst einen Super-Job für das Fünftel! Ich wünsche Dir Kolleginnen!

Der Bayerische Rundfunk entscheidet nicht, wer im Rundfunkrat sitzt.

Der BR jedenfalls kann überhaupt nichts dafür, wer im Rundfunkrat sitzt. Die Zusammensetzung der Räte regeln Landesgesetze. Diese Landesgesetze machen die Landesparlamente. In Bayern also ein Parlament, das seit gefühlten Ewigkeiten vor allem konservative Haltungen repräsentiert. Ob das einer sich wandelnden Welt gerecht wird? Die aktuelle Zusammensetzung des Rundfunkrats fasst Wikipedia hier zusammen, der BR hier. Ein Kollegium, mit dem ich sehr gerne arbeite. Es lohnt, die Mitglieder einzeln zu googeln. Trotzdem sind wir aktuell nicht repräsentativ für die Gesellschaft, in der wir leben. Da nehme ich mich selbst gar nicht aus, sondern lade ein zur breiten, öffentlichen Debatte: Braucht es eine regelmäßige, automatische Kontrolle und Anpassung der Zusammensetzung unserer Rundfunkräte an unsere sich wandelnde Gesellschaft?

Vorbilder schaffen statt Klischees zementieren!

Gesellschaft repräsentieren. Alle erreichen. Vorbilder schaffen statt Klischees zementieren! – Was hilft? Petitionen an Landesparlamente stellen, Protestbriefe an Landesregierungen schreiben, Verbände einschalten, das Thema in den Fokus rücken, laut werden, dran bleiben.


Weiterlesen:
„Racial Bias and Discrimination: From Colorism to Racial Profiling“ auf ThoughtCo. in englischer Sprache (Google Translate hilft – aber auch für einen Volkshochschulkurs Englisch oder Sprachlerntools wie z.B. Duolingo ist es nie zu spät! Ich habe als erwachsene Frau Niederländisch und Hebräisch gelernt – You can do it!! – Sprachen bereichern. Entdecke die Welt!)

It’s a woman! – Der BR hat eine neue Intendanz.

Frauen in Führung. Frauen in Medien. Dass man darüber im 21. Jahrhundert noch diskutieren muss, ist bitter, das 50/50 eine Ewigkeit entfernt. Weil Geduld nicht meine Stärke ist, habe ich mich im Sommer drangemacht und über 60 hochqualifizierte Medienfrauen recherchiert, mit 20 davon telefoniert, 6 davon mit meinen Grünen Kolleg*innen getroffen und 1 davon als neue Intendantin des BR vorgeschlagen. Auch das Frauennetzwerk des BR und das Rundfunkrats-Kollegium schoben kräftig mit an. Am Ende standen zwei Männer und eine Frau am Start im Rennen um die Intendanz des BR. Wie es lief und was in der Sitzung entscheidend war, lest Ihr hier.

Gleich vorweg: ich bin nicht der Meinung des Rundfunkratsvorsitzenden, wir hatten „bei dieser Wahl ein „Luxusproblem“ (…) [und] es sei eine Entscheidung zwischen sehr guten Kandidaten gewesen.“

Drei Kandidierende, eine Intendantin.

Nein: Wir Grüne haben alle drei Kandidierenden getroffen und ihre Bewerbungen intensiv diskutiert. Ja, es gab andere, sehr gute Kandidierende. Aber wir Grüne fanden nicht nur, nach 70 Jahren Männer-Dominanz ist es Zeit für eine Chefin für unseren Rundfunk, nein, wir fanden auch Dr. Katja Wildermuth bringt eindeutig die besten fachlichen Qualifikationen für den BR mit. Sie ist für uns die Persönlichkeit, die die Herausforderungen der kommenden fünf Jahre meistern wird. Für uns wichtige Werte wie Transparenz oder gute Unternehmenskultur haben für sie ebenso hohen Stellenwert wie der kluge Einsatz von Ressourcen: Investitionen dort, wo man stärker werden muss.

Es braucht. Mehr. Frauen in Führung.

Endlich eine Frau in Führung zu bekommen, spielt für uns Grüne ebenfalls eine große Rolle. Gemischte Teams sind widerstandsfähig und stark, divers aufgestellt heißt krisenfest aufgestellt. Dass man immer und überall fantastische weibliche Führungspersönlichkeiten findet, wenn man nur will, hat unser Findungsprozess gezeigt. Wie weit man kommen kann, wenn alle an einem Strang ziehen, war wiederum der Erfolg einer breiten Koalition. Unterstützt und angeregt vom Frauennetzwerk des BR kamen schon früh weibliche Führungspersönlichkeiten in den Fokus der internen und öffentlichen Debatte. Gemeinsam mit Frauen (und auch einigen Männern!) des Rundfunkrats haben wir dann gesucht, beraten, Netzwerke geschmiedet und Begegnungen gehabt, die über den Findungsprozess hinaus lange nachhaltig wirken werden.

Wir Grüne gratulieren!

Wir Grüne gratulieren Dr. Katja Wildermuth zur neuen Position und dem BR zur neuen Intendantin! Mit großer Freude werden wir das Haus und die Intendantin auf der Reise in die Zukunft begleiten.


Facts & Figures:

Am 22. Oktober 2020 wurde Katja Wildermuth vom Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks mit 38 von 48 Stimmen zur neuen Intendantin des Bayerischen Rundfunks gewählt. Sie wird den Sender mit seinen über 3000 Angestellten, sowie etlichen TV-, Radio- und Digitalangeboten als erste weibliche Intendantin nach 70 Jahren männlicher Intendanz führen. Ihre Amtszeit beginnt am 1. Februar 2021 und dauert planmäßig fünf Jahre. Dr. Katja Wildermuth tritt die Nachfolge von Ulrich Wilhelm an, der nach zehn Jahren nicht mehr für eine Kandidatur zur Verfügung stand

Weiterlesen:

Diversität in Medien: Queerpolitisches Vernetzungstreffen am 02.Oktober 2020

Wir Grüne sind Bündnispartei. Darum ist uns die Kooperation mit Initiativen und Verbänden so wichtig. Wie jedes Jahr gibt es darum auch heuer unser „Queerpolitisches Vernetzungstreffen“. 2020 steht dieses Vernetzungstreffen der Grünen Fraktion Bayern unter dem Motto „Sichtbarkeit von LGBTIQ* in den Medien“.

Die Medien sind im Kampf für Akzeptanz und gegen Diskriminierung die vermutlich wichtigsten Akteur*innen neben der Politik. Sichtbarkeit schafft Akzeptanz. Aber queere Menschen fristen nach wie vor ein Nischendasein in Funk, TV und Print. Einige Leuchtturm-Projekte versuchen das mit Angeboten an die queere Zielgruppe zu ändern. Neben alteingesessenen Zeitschriften und News-Homepages gibt es immer wieder auch bemerkenswerte kleine Projekte.
Warum aber gelingt der Sprung in den Mainstream nicht? Warum ist die Sichtbarkeit dort oft an Klischees und Stereotype gebunden? Warum tut sich das Fernsehen in Deutschland so schwer damit eine Normalität queerer Charaktere zu erzeugen, die zum Beispiel bei Netflix-Serien alltäglich ist?
 
Darüber sprechen Tessa Ganserer, unsere queerpolitische Sprecherin, und Sanne Kurz, unsere Sprecherin für Kultur und Film unter anderem mit:

  • Mattias Fabian, Queer Film Festival München
  • Luca Renner, Mitglied im ZDF-Fernsehbeirat
  • Sybille Giel, Diversity-Beauftragte BR
  • Georgine Kellermann, Studioleitung WDR Essen
  • Chris Miera, Regisseur „Druck“
  • Christian Hug, Discovery Communications
  • Laura Sophia Jung, Axel Springer Akademie, „divers.land“
  • Kai S. Pieck, Queer Media Socitey
  • Manuela Kay, Chefredakteurin L-MAG
  • Johannes Kram, Nollendorf-Blog 

Moderation: Schlien Schürmann 
 
Über die Teilnahme am Live-Stream könnt ihr Euch mit Fragen und Kommentaren in die Diskussionen einschalten. Die Veranstaltung wird zudem später als Videomitschnitt veröffentlicht.

Pressemitteilung: Eine Chefin für unseren Rundfunk

Sanne Kurz:Zeit für ein weibliches Gesicht in der Galerie der Intendanten des BR“

Am 31. Januar 2021 endet die Amtszeit des derzeitigen BR-Intendanten Ulrich Wilhelm. In der Sitzung des Rundfunkrats am 16. Juli kündigte er an, dass er zehn Jahre als Intendant des Bayerischen Rundfunks als ausreichend empfindet und es Zeit sei für eine Veränderung an der Spitze des BR. Rundfunkrätin Sanne Kurz, MdL appelliert an ihre Kolleginnen und Kollegen im Rundfunkrat: „Nutzen wir diese Chance und lassen endlich eine Frau ans Ruder! Die Galerie der sieben Herren, die den BR seit seiner Gründung 1947 geleitet haben, braucht ein weibliches Gesicht.

Dass es an kompetenten Kandidatinnen nicht mangelt, habe sich schnell herausgestellt, daher wundert sich Sanne Kurz sehr über die politisch motivierten Vorschläge, die aus CSU-Kreisen ins Feld geführt werden: „Wir haben uns mit einer langen Liste ans Werk gemacht. Es ist spannend zu sehen, wie viele gute Frauen es in Führung gibt. Wir wünschen uns, dass es auch beim BR ein klares Bekenntnis zu führungsstarken Frauen gibt. Wir brauchen eine Intendantin!

Für Sanne Kurz ist maßgeblich, dass die strukturelle Situation des BR bei der Suche nach einer geeigneten Führungskraft berücksichtigt wird: „Auswahlkriterien sind neben der Leidenschaft für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Teamstärke und Führungsqualitäten, die sich auf rechtliche Fragestellungen und dem Umgang mit Finanzen erstrecken. Wir Grüne erwarten von der künftigen Intendantin, Kompetenz und Erfahrung bei Inhalten und eine klare Vision, wie der Bayerische Rundfunk zukunftsfest aufgestellt werden kann: inhaltlich, personell, konzeptionell und finanziell.

Laut Kurz stecke der BR in einer Umbruchphase mit einem großen Potenzial: „Die Grenzen zwischen unterschiedlichen medialen Angeboten sind längst verwischt. Die Zielgruppe der unter 30jährigen – das Publikum von morgen, nimmt sich, was gefällt, ohne nach Anbietern zu fragen. Gleichzeitig gibt es viele ältere Menschen, denen das analoge Angebot lieb und teuer ist. Hier gilt es, gemeinsam mit dem Haus, mit allen, die beim und für den BR arbeiten und zusammen mit der ARD einen Masterplan zu entwickeln.

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