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Museen in Bayern: Erinnerungsort Badehaus

Wie funktionieren lebendige Museen in Bayern? Nach dem Haus der Bayerischen Geschichte, dem Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt und der Landesstelle für nichtstaatliche Museen war ich im Badehaus in Waldram. Gemeinsam mit Gabriele Triebel (Sprecherin Erinnerungskultur) und Hans Urban (Abgeordneter für Wolfratshausen) der Grünen Fraktion besuchte ich den Erinnerungsort in der Siedlung, die, nur einen Steinwurf von der S-Bahn Wolfratshausen entfernt, vielen besser bekannt ist als Föhrenwald.

Was im Badehaus im vergangenen Jahr durch unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit entstand, ist von besonderem Wert für die Erinnerungskultur in unserem Land. In den Räumen passiert etwas, was nur Museen leisten können: Die mit dem historischen Ort eng verwobene Geschichte, genau so wie die Geschichten der sehr unterschiedlichen Menschen und der verschiedenen Personengruppen werden an eben diesem Ort gleichwertig gewürdigt und: lebendig.

Das Badehaus nimmt Gäste mit auf eine Reise durch diese Geschichte und diese Geschichten: Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie, Durchgangsort für einen KZ-Todesmarsch, Ziel für KZ-Überlebende aller Opfergruppen, dann Ruhe- und Hoffnungsort für jüdische Überlebende des Völkermordes der Nationalsozialisten aus ganz Europa, und schließlich Ziel und neues Zuhause der nach Kriegsende enteigneten und vertriebenen Deutschen aus unseren heutigen Osteuropäischen Nachbarländern. Unsere Geschichte gehört zu uns. Sie schafft in ihrer bewegenden und oft tragischen Gesamtheit unsere Identität mit: aus Föhrenwald wurde Waldram. Aus der Föhrenallee die Pennsylvania Street und die Fauhalber Straße.

Dr. Sybille Krafft, die Vorsitzende des Vereins “Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald”, führte uns durch das Museum. Der lebendige Erinnerungsort brachte uns die bewegte Geschichte des Hauses und des ehemaligen DP-Lagers Föhrenwald näher. Das motivierte Team des Badehauses leistet hier professionelle und pädagogisch wertvolle Erinnerungsarbeit. Überregionale Strahlkraft trifft hier lokale Verankerung.

Diese beachtliche museale Leistung: Die besondere Geschichte der Umbrüche und Widersprüche, die sich hier manifestiert, ist berührend, spürbar und erlebbar. Sie verdient Anerkennung. Und sie leidet unter dem nicht vorhandenen Gesamtkonzept zur Erinnerungskultur und zu Gedenkstätten im Freistaat. Kultur von unten – sie verdient mehr Förderung!


Hier kann man mitmachen und Mitglied werden im Verein “Bürger fürs BADEHAUS Waldram-Föhrenwald e.V.”
Und hier kann man die wertvolle Arbeit des Badehaus unterstützen und spenden.